Aufsatz 
Der Kampf des Erzbischofs Gerlach von Nassau mit Heinrich von Virneburg um das Erzstift Mainz.
(Fortsetz. d. Progr. v. 1861.)
Entstehung
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du trauter Sängerkreis eingeleitet worden war, beſtieg der Oberprimaner Ambroſius Schupp die Rednerbühne und ſchilderte das große hiſtoriſche Ereigniß nach ſeinen Veranlaſſungen, ſeinem Verlaufe und ſeinen Folgen, wobei er zugleich der tapferen Theilnahme der naſſauiſchen Truppen und insbeſondere des hochſeligen Herzogs Wilhelm an dem gewaltigen Kampfe gedachte, und ſchloß mit einem Hoch auf das ruhmvolle Andenken der unvergeßlichen Befreiungskämpfer, auf die Einigkeit aller deutſchen Volksſtämme und die Wohlfahrt des deutſchen Vaterlandes, in welches alle Anweſende begeiſterungsvoll einſtimmten. Am Abende verſammelten ſich, wie in dem verfloſſenen Jahre, mit den tapferen Veteranen viele Einwohner hieſiger Stadt und unter denſelben auch die Lehrer des Gymnaſiums in einem Gartenlocale zu einer feſtlichen Ver⸗ einigung, welche von der Erinnerung an den Heldengeiſt und die großen Thaten der Vorfahren freudig belebt war und gewiß allen Theilnehmern in angenehmſter Erinnerung bleiben wird.

Am 24. Juli wurde in gewohnter Weiſe das Geburtsfeſt Seiner Hoheit des Herzogs mit ſollennem Gottesdienſte in den Kirchen beider Confeſſionen und mit einer öffentlichen Schul⸗ feierlichkeit begangen, zu welcher der Director durch ein beſonderes Programm eingeladen hatte. Profeſſor Barbieug hielt die Feſtrede, in welcher er die den Schülern der Gymnaſien durch ihre Beſchäftigung mit den Wiſſenſchaften dargebotenen Freuden ſchilderte. Die beiden Sänger⸗ chöͤre des Gymnaſiums trugen religiöſe und vaterländiſche Geſänge vor, mit welchen muſikaliſche Productionen einzelner Schüler abwechſelten. Der Oberprimaner Ludwig Adam hielt einen lateiniſchen Vortrag über das Thema:Qualem Homerus in Odyssea finxerit Ulixem; der Oberprimaner Wilhelm Weſterburg einen deutſchen über das Thema:Welchen Vorzügen verdanken die Dichtungen Uhland's den Beifall, welchen ſie namentlich bei der deutſchen Jugend finden; von einer Anzahl Primaner und Secundaner wurden zwei Scenen aus Schillers Wallen⸗ ſtein vorgetragen, an welche ſich Declamationen mit Rückſicht auf die Bedeutung des Tages aus⸗ gewählter Gedichte durch Schüler der übrigen Claſſen anſchloſſen. Am Nachmittage verſammelten ſich, wie in den früheren Jahren, Lehrer und Schüler des Gymnaſiums in einem Gartenlocale, wo die Feier des ſchönen vaterländiſchen Freudentages in heiterem Zuſammenſein geſchloſſen wurde.

Am 25. Juli ſtarb im elterlichen Hauſe zu Hochheim an der Auszehrung der Oberprimaner Joſeph Weiß, deſſen Schulbeſuch in den letzten drei Jahren oft und lange durch körperliches Leiden unterbrochen worden war. Die Leiſtungen dieſes vortrefflichen Schülers, welcher mit ſehr guten Geiſtesanlagen einen muſterhaften Fleiß verband, berechtigten zu den ſchönſten Erwartungen und überdies hatte er ſich durch ſeine Sittenreinheit, ſein offenes und beſcheidenes Weſen, ſeine Herzensgüte und Freundlichkeit die Liebe ſeiner Lehrer und Witſchüler in hohem Grade erworben. Am 30. Juli wurde unter Theilnahme der katholiſchen Lehrer und Schüler ein feierliches Requiem für die Seelenruhe des Verſtorbenen gehalten. Er ruhe in Frieden!

Am 9. und 10. September wurden in allen Claſſen die Herbſtprüfungen vorgenommen, nach deren Beendigung die auf die letzte Cenſur gegründete Collocation der Schüler ſtattfand und dieſe in die Herbſtferien entlaſſen wurden, welche vom 11. September bis zum 8. October dauerten.

Am 9. October begann das Winterſemeſter mit der Prüfung der angemeldeten Schüler, deren Zahl 9 betrug. Von dieſen wurde 1, der mit einem Abgangszeugniſſe des Gymnaſiums zu Wiesbaden verſehen war, ohne Prüfung in die IIb, von den übrigen, nach dem Ergebniſſe der mit ihnen vorgenommenen Prüfung, 2 in die V, 2 in die IV, 2 in die III, 1 in die II b und 1 in die Ia aufgenommen.

Am 10. October war der Eröffnungsgottesdienſt für das Winterſemeſter in beiden Pfarr⸗ kirchen, dann die Verſammlung der Lehrer und Schuler in der Aula, wo der Director nach