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Gemahlin drei Söhne: Adolf, Johann und Gerlach, von denen die beiden älteren den Beruf erhielten, dem Vater in ſeiner politiſchen Laufbahn und namentlich in der Regierung der Grafſchaft zu folgen, während Gerlach, um eine weitere Theilung der Beſitzungen zu ver⸗ hüten, nach der Sitte der Zeit dem vielverſprechenden Dienſte der Kirche beſtimmt wurde. In gleicher Abſicht ſollten auch die beiden Söhne aus der zweiten Ehe mit der Gräfin Irmen⸗ gard von Hohenloh, Kraft und Ruprecht, von der Regierung des Landes ausgeſchloſſen bleiben; allein ihre Mutter, eine Frau von entſchiedenem Charakter, bot Alles auf, um für ihre Kinder eine Abfindung an Land und Leuten zu bewirken und brachte ſelbſt dieſem Zwecke ihr Wittum Sonnenberg bei Wiesbaden zum Opfer. Ihre Jugend verlebten dieſe Brüder mit ihren drei Schweſtern, von denen ſpäter Adelheid an den Grafen Ulrich von Hanau, Anna mit dem Grafen Kraft von Hohenloh vermählt wurde, Agnes dagegen in dem von den Groß⸗ eltern geſtifteten Kloſter Klarenthal, das zugleich die Familiengruft des Hauſes in ſich barg, den Schleier nahm, meiſt auf der Burg ihres Vaters zu Idſtein: ein Ort, welcher der Für⸗ ſorge des letzteren Vieles zu danken hatte. Wie ſich aus urkundlichen Nachrichten mit großer Gewißheit ſchließen läßt, war Idſtein der gewöhnliche Aufenthaltsort der gräflichen Familie, wozu es, in der Mitte der Grafſchaft gelegen, vorzüglich geeignet war. Graf Gerlach vollendete die vielleicht ſchan von ſeinem Vater begonnene¹), von ſeinem Bruder fortgeführte Ummauerung des Burgfleckens, erbaute zuerſt hier eine Kapelle und darauf eine Kirche, die er mit gehörigen Einkünften verſah und nachher zur Stiftskirche ²) erheben ließ. Hier konnten die jungen Grafen, wie ihre Zeit es verlangte, ritterliche Uebungen treiben, und die herrlichen Wälder des nahen Taunus boten reichliche Gelegenheit, dem edlen Waidwerk obzuliegen. Zwar hielt ſich Graf Gerlach auch oft zu Wiesbaden auf, und er mußte dieſes thun, weil er das Grafengericht in der Königeſundra, ſowie das Cent⸗ oder Landgericht zu Wiesbaden zu verwalten hatte, zu welchem Zwecke er daſelbſt einen ihm eigenen Frohn⸗ oder Gerichtshof beſaß ³).
Seinen älteſten Sohn Adolf ließ er ſchon früh an der Verwaltung Antheil nehmen und traf wichtige Verordnungen in Angelegenheiten der Familie und des Landes nicht ohne ſeine Zuſtimmung. So ließ er denſelben 1333, das Jahr nach dem Tode ſeiner erſten Gemahlin, als er ſein Seelgerede machte, nach deſſen Beſtimmung der Kirche zu Idſtein und neun Klöſtern der Grafſchaft bedeutende Summen zufließen ſollten, ſeine Zuſtimmung geben;*) ebenſo ſtellte Adolf 1336 mit ſeinem Vater und ſeiner Stiefmutter den erſten Freiheitsbrief für Idſtein aus. ³) Er war ſeit 1332 vermählt mit Margaretha, der Tochter des Burggrafen Friedrich von Nürn⸗ berg: eine Ehe, die, ſo glücklich ſie auch war, dem Hauſe keine neuen Beſitzungen zubrachte. Darin lag denn wohl auch der Grund, daß der Vater ſeinen Sohn bald in den Beſitz des von dem Grafen Johann von Naſſau⸗Dillenburg 1327 durch Kauf erlangten Ortes Katzenellen⸗ bogen, ſowie 1341 der Burg und Herrſchaft Neuweilnau ſetzte, die ihm Siegfried von
1) K. Rudolf gab dem Gr. Adolf 1287. 2. Mai die Erlaubniß, Idſtein befeſtigen zu dürfen; deſſen Urkunde wurde von K. Albrecht 1302 dem Gr. Nupreckt beſtätigt.— 2) Eine alte archivaliſche Nachricht bei Rizhaub: „Einige Nachrichten von der Stadt Idſtein“, S. 31 lautet: Baldewinus Aep. Trev.& Robinus de Isenburg, Archi- diaconus ibidem, fecerunt ex parochiali ecclesia in Edechinstein collegiatam ecclesiam, et ordinarunt primum Decanum, Henricum quendam, qui Idstenii presbyter prius fuerat; cui sex canonicos addiderunt; petente id— Gerlaco, comite in Nassau, qui reditus Lansteinianos et capellae prope Etchinstein sitae, et a Prae- dicto comite fundatae, huic collegiatae ecclesiae adjunxit. Acta haec sunt a 1340 mense Augusto.— 3) Vgl.
Dahl im Rhein. Archiv, Bd. XIV, S. 251.— 4) Hagelgaus, N. Geſchlechtstafel, S. 15.— 5) Rizhaub a. a, O., S. 67.


