18
Jahresbericht über den Zuſtand des Gymnaſinms zu Hadamar im Schuljahr 855— 36.
I. Lehrverfaſſung. A. Lehrercollegium.
Mitten im Kurſe des I. Semeſters hat das Lehrercollegium keine Veränderung erfahren. Am Anfange des Sommerſemeſters ſind die beiden Lehramtscandidaten Wilh. Biehl und Fried. Brandſcheid, die bisher zur Aushilfe am Gymnaſium waren verwendet worden, durch höhere Verfügung aus dieſer Stellung herausgetreten, und da durch die gleichzeitige Entfernung
dieſer beiden Lehrkräfte das Perſonal nicht ausreichte, ſo wurde faſt zu derſelben Zeit der Colla⸗⸗
borator Herr Bogler vom Gymnaſium zu Wiesbaden an das hieſige verſetzt und unter dem 12. Juni 1855, bis wohin ſich ſeine Ueberſiedelung hierher durch Familienverhältniſſe verzögert hatte, in ſeine neue Dienſtſtellung eingeführt. Ueber den Bildungsgang des Herrn Bogler und ſeine dienſtlichen Verhältniſſe vor ſeiner Verſetzung nach Hadamar iſt in dem Programme des Gymnaſiums zu Wiesbaden vom Jahr 1845 Seite 24 das Nähere enthalten.
Eine erhebliche Störung erlitt der Unterrichtscurſus des Winterſemeſters 1855— 56 durch die Verſetzung des Herrn Profeſſor C. Müller, welcher durch Regierungsreſcript vom 10. Januar 1856 ad Num. Reg. 1440 zur Verſehung des Referates in Schulſachen, vorerſt proviſoriſch, nach Wiesbaden berufen worden war. Er ſchloß ſeinen Unterricht am Gymnaſium den 12. Januar l. J. und wurde ſeine Stelle von da an vorläufig durch die übrigen Lehrer verſehen, bis Höheren Ortes eine Aushilfe verliehen wurde in der Perſon des für die höheren Realwiſſen⸗ ſchaften geprüften Herrn Candidaten Georg Krebs, welcher den 24. Januar dahier eintraf, und mit dem 28. Jannar l. J. den Unterricht des geſchiedenen Lehrers wieder aufnahm.
FJaſt gleichzeitig mit dieſer Beſetzung wurde der vormalige Seminardirector Herr Bellinger durch S. Hoheit den Herzog rehabilitirt und zum Profeſſor am Gymnaſium zu Hadamar ernannt. Der betreffende Erlaß Herzogl. Landesregierung iſt vom 28. Januar 1856 ad Num. Reg. 4035. Herr Prof. Bellinger traf am 8. Februar 1856 hier ein, und wurde am 11. d. Mts. in ſeine neue Dienſtthätigkeit eingeführt.
Die übrigen Lehrer ſind dieſelben geblieben, wie ſie S. 28 des vorjährigen Programms verzeichnet worden ſind, und erhellt ihre beſondere Thätigkeit beim Unterrichte aus der unter B. Nro. 2 in dieſen Nachrichten aufgeführten Ueberſicht. Dieſe war leider bei zwei Lehrern der Anſtalt weſentlich unterbrochen. Der evangeliſche Religionslehrer Herr Pfarrer Schellenberg war als Mitglied der Deputirtenverſammlung ſeinem Amte am Gymnaſium entzogen vom 26. April bis 18. Mai, und wieder von da ab bis zum 28. Juli 1855, mit Ausnahme von ſechs Schultagen, an denen er beſonders hierhergekommen war. Der Gymnaſialzeichenlehrer Herr Maler Diefenbach, als Reconvalescent nach einer bedeutenden Krankheit, und darauf beurlaubt im Intereſſe ſeiner Kunſt, fehlte am Gymnaſium vom 3. Mai bis zum 8. Auguſt 1856. Keiner von dieſen beiden Unterrichtsgegenſtänden konnte anderweitig verſehen werden, und ceſſirte mithin ganz.
B Unterricht. 1) Allgemeine Demerkungen.
Die im vorjährigen Programme des Gymnaſiums von Hadamar S. 28 berichtete Reviſion


