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der politisch belehren will und damit der Schöpfer der pragmatischen Geschicht- schreibung wird. Die Geschichte wird eine belehrende Disciplin, eine ioopia àοεειπννκ oder ᷣρααναννν ¹), sie will die Gegenwart durch die Vergangenheit erklären und für die Zukunft Lehren geben, sie will erziehen zum Staatsmann, zum Bürger, zum sitt- lichen Menschen und nicht mehr die blosse Neugierde befriedigen. Sie reiht die Er- zählungen nicht mehr einfach aneinander, sondern fragt nach dem„wie“,„warum“ und„wozu“ ²); sie sucht das Geschehene aus den menschlischen Leidenschaften und Interessen zu erklären und Motive und Ziele der Handlungen anfzudecken. Nach Thukydides hat Polybios den geschichtlichen Pragmatismus weiter ausge- baut und gerade diese beiden blieben bis in die Neuzeit die massgebenden Muster aller Geschichtschreibung. Viel wird über den Nutzen der Geschichte geschrieben, sie wird gepriesen als eine Schule für Staatsmänner, Lehrerin aller Tugenden, als die Quelle reichster Erfahrung für alle Wechselfälle des Lebens ³); und wenn Göthe sagt, dass das Beste, was wir von der Geschichte haben, der Enthusiasmus sei, den sie in uns wachrufe, so ist dies vom Gesichtspunkte der pragmat. Geschichte und der Erziehung völlig berechtigt. Der lehrhafte Charakter, der der Geschichte bis in die neueste Zeit eigentümlich blieb, hat sie zu einer Kunst der Beredsamkeit gestempelt und die nun folgende rhetorische Richtung derselben zur herrschenden gemacht. Wenn auch Timaios, selbst ein Schüler der isokrateischen Schule und ein Vertreter dieser Rich- tung, die Geschichte in scharfen Gegensatz zu den epideiktischen Reden setzt ⁴), welche nach ihm sich zur Geschichte verhalten wie die Coulissen eines Theaters zur wirklichen Oertlichkeit, wenn auch Polybiosmit schneidender Kritik gegen die rhetorisirende Ge- schichtschreibung eiferte, so blieb sie doch im ganzen Altertum ein Glied der Rhetorik und bei den meisten Geschichtschreibern überwog das rhetorische Interesse, so dass Cicero?) und mit ihm ein grosser Teil des Altertums sie zum 7ενοπα εμπνπιμπſõv echnet. Der pragmatische Charakter dieser Geschichtschreibung bestimmte die Auswahl des Stoffes und die Art der Quellenbenutzung, die causale Erklärung der Ereignisse war eine äusserliche und dürftige oder man suchte in übertriebenem Pragmatismus Alles zu erklären ⁶), die Darstellung war mehr oder weniger subjectiv, stets beeinflusst von dem persönlichen Standpunkte des Geschichtschreibers. Deutlich wird der Unterschied zwischen der pragmatischen und genetischen Geschichte, wenn wir z. B. die classischen Biographieen des Plutarchos mit einer Lebensgeschichte vergleichen, welche den An- forderungen der heutigen Wissenschaft entspricht. Jener, der médecin de l'ame, wie ihn der Franzose Lévéque9) mit Recht nennt, ist vor allen Dingen Moralist, der sittlich bessern will und an die Personen, deren Leben er erzählt, einen moralischen und religiösen Massstab anlegt. Dieser Gesichtspunkt bestimmte ihn in der Auswahl des Stoffes und der Benutzung der Quellen; er erzählt nicht immer die wichtigsten Be- gebenheiten und hervorragendsten Thaten eines Mannes, sondern diejenigen, in denen
¹) Der Name stammt von Polybios, der zu den rara, d. h. Staatsgeschäften Anleitung geben will;(Polyb. I, 2) er nennt sie eine matheia zat †ouvaaia οα räâs wotrreA« ASetc(I, 1).
2) Polyb. III, 31. 218. cf. Taci us hist. I, 4: ut non modo casus eventusque rerum,.... sed ratio causaeque noscantur..
³) vgl. die Einleitung Diodoros’ I. 1, 4 u. 5
⁴) Müller fgmta. hist. Graec. I. fgm. 55.
5) Orat. 37, 66. Wohin diese Auffassung schliesslich führt, zeigt dass gerade Cicero, der auch Geschichtschreiber sein wollte, so niedrig von der histor. Wahrheit denkt, dass er nicht nur den Lucceius (ad. Fam. 5, 12. 3: Amori nostro plusculum etiam quam concedit veritas....) zur Lüge auffordert, sondern auch selbst in den Verrinen handgreifliche Unwahrheiten vorträgt. cf. Lupus Syracus. p. 240 ff.
⁶) Beispiele bei Hase: Kirchengeschichte I. p. 7.
⁷) Revue des deux monds 1867. 71. p. 725.


