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nicht grell hervor. Die Kraft der Zeichnung, das warme Colorit gibt diesen Gestalten oft einen dramatischen Schwung und gewaltige Tiefe; so tritt Hagen in der schönen Ballade von Felix Dahn auf:„Und hatt'
ich zu berathen— Neu meines Lebens Bahn,— Ich ließe meiner Tha- ten— Nicht eine ungethan.— Und käm'’' der Welt Entzücken— Ein zweiter Siegfried her,— Ich stieß' ihm in den Rücken— Zum zweiten-
mal den Speer.“
In der Gestaltenballade, die moderne Stoffe behandelt, herrscht die That, nicht die Begebenheit, nicht das Gemüth, sondern ein energi- scher Wille; sie gibt fest umrissene, oft episch behagliche poetische Bilder.
Die Gestaltenballade führt eine ihrer frischen, lichten Persönlich- keiten in einem solchen Situationsmoment vor, wo ihre innerste Natur hervortritt. Hieher gehört jene Poesie der Geschichte, in der die Geistes- helden bis auf die neueste Zeit besungen werden, indem der innerste Kern der Eigenthümlichkeit derselben erfasst wird. In dieser historischen Ballade wird freilich der Ton ein ganz verschiedener sein, je nachdem ein Held des Schwertes oder des Geistes dargestellt wird; der frische, volksliederatige Ton wird in ersterer, der ruhig betrachtende Ton in letzterer die dem Stoff gemäße Form sein*).
Solche Balladen nehmen nicht selten ein didaktisches Element auf, oder sie werden zu Trägern von sittlichen Ideen. Hieher gehören Bel- sazar, die Grenadiere von Heine, Johanna Sebus, der Schatzgräber, der Sänger von Goethe. die alte Waschfrau von Chamisso, Spartacus von H. Lingg, Cäsar von Kinkel. In allen diesen Gedichten ist es aber sicher nicht die Grundidee oder das Grundgefühl, sondern die seelenvolle Per- sönlichkeit, die uns fasst.
Das ist des alten Heldenlebens Geist,
Dass, wie du immer ihm entfremdet seist,
Du dich ergriffen von der Herrlichkeit,
Erschüttert fühlst, erhoben und geweiht.(Rückert.)
Die Heldennaturen sind in der Gestaltenballade sowie in der dra- matischen Charakterballade nicht mehr wie im eigentlichen Epos„in reine Dumpfneit“ gehüllt; der epische Held der Gestaltenballade ist nicht mehr von einer höheren Ordnung eingeschlossen, seine Entschlüsse sind nicht im vorhinein bestimit; er handelt noch aus naiven Motiven und folgt seinem Naturell, aber er weiß, was ihn nöthigt. Auch die Gestalten- ballade strebt darnach, das Bleibende in den Vorgängen in das hellste Licht zu setzen. Hiebei kann der Künstler bald plastischer, bald male- rischer verfahren. Gottschall meint S. 150, dass die schärfere Herausbil- dung des episch-plastischen Stiles für die poetische Erzühlung das nächste Stadium des künstlerischen Fortschrittes bezeichne und dass die Lyrik sich in dieser Pseudoepik auf jene Stellen beschränken müsse. wo die Handlung selbst Stoffe der Empfindung berührt, sonst bleibt die poeti- sche Erzählung zwitterhaft;„das subjective Pathos zersetzt die histori-
.») F. Gregorovius gibt in seinen Gedichten Geschichtsbilder wie„Der sterbende Hadrian“,„Der Fliegenfänger“(Domitian),„Klagegesang der Kinder Juda in Rom“;„Der Thurm Astura“ ist mehr eine Geschichtsphantasie.


