Aufsatz 
Die erste Festwoche des Deutschen Schillerbundes in Weimar : (5.-10. Juli 1909.) / von Paul Fischer
Entstehung
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Pietzcker auch diesen zwang, seine Turnstunden abzugeben. Nur mit Mühe gelang es, durch Kombinationen und Schiebungen den Unterricht überhaupt im Gange zu erhalten.

Der Gesundheitszustand der Schüler war fast das ganze Jahr hindurch gut und wurde nur im Dezember durch Erkrankungen an Diphtherie und Masern stärker beeinflußt. Am 10. Dezember 1909 erlag Gerhard Wendorf, ein lieber und treuer Schüler der V M, das einzige Kind seiner schwergeprüften Eltern, in seinem Geburtshause zu Güstow einem Herzleiden, wegen dessen er schon seit Michaelis vom Schulbesuch hatte befreit werden müssen. Fünf Mitschüler gaben ihm am 13. Dezember mit einer Kranzspende seiner Klasse das Geleite zur letzten Ruhestätte. In der Andacht desselben Tages gedachte der Ordinarius der V M, Herr Dr. Paul Schultz, auf der Aula des schmerz- lichen Verlustes. Leider hatten wir bald darauf einen zweiten ebenso betrübenden Verlust zu beklagen. Am 12. Februar verstarb der Untersekundaner Alfred Herrmann nach kurzem Krankenlager an einem Lungenleiden. Kundgebungen herzlicher Teilnahme und Trauer vonseiten seiner Lehrer und Mitschüler bezeugten, wie lieb und wert ihnen der Entschlafene als treuer Schüler und guter Kamerad jederzeit gewesen war.

Bei der Kühle des Sommerhalbjahrs bot sich nur einmal(am 17. 8.) ein Anlaß zu Hitzferien; und was der Sommer so zum Schmerze der Jugend gesündigt hatte, das machte der Winter nicht wieder gut: seine milde Witterung gab der Schule nur an einem Nachmittage Gelegenheit zur Unterstützung des Wintersports.

Ein für die Mitte des Juni in Aussicht genommener Ausflug der oberen und mittleren Klassen der Schule an die See mußte aufgegeben werden, weil es selbst bei erheblichen Geldopfern nicht möglich war, einen hinreichend geräumigen und den unsicheren Witterungsverhältnissen angemessenen Dampfer zu gewinnen. Dafür fand am 22. 6. bei herrlichem Wetter nach einer Dampferfahrt über den Dammschen See das Sängerfest auf dem Weinberg bei Gotzlow in den gewohnten Formen statt. Unsere Sängerchöre ernteten von der weit über 1000 Per- sonen umfassenden Zuhörerschar wohlverdienten Beifall. Am Schluß der Vorträge, deren Programm weiter unten (S. 21) mitgeteilt ist, verteilte der Direktor unter gütiger Beihülfe der jungen Damen des Kollegiums nach einer kurzen Ansprache Auszeichnungen in den üblichen Abstufungen an folgende Schüler: Braun, Redlin, Alexander, Pleiß, Röder, Jung(O I); Heinrichs, Mehl(U I M): König, Willi Schmidt(O II O); Algermissen, Buchholz(O II M); Riecks, Kausche(U II M). Kühn, Oestreich(O III O); Schwartz, Marckwardt, Ulrich(U III O); Marckwardt, Poß(U III M); Neumann, Dombrowski, Bannasch(IV M). Milenz, Soika, Simon(IV O); Polzin, Müller, Werner, Haß(V M); Künne, Struck, T'eske(V O). Der dann folgende Tanz zeigte unsere älteren Schüler wieder von ihrer allerbesten Seite. 1020 erfolgte die Rückfahrt.

Den Glanzpunkt des Sommers bildete für alle teilnehmenden Schüler die Weimarfahrt, über deren Verlauf der Leiter der Fahrt, Herr Prof. P. Fischer, vorstehend(S. 3 bis 10) ausführlich berichtet hat. Die Er- innerung an sie wie überhaupt an die erste Festwoche des deutschen Schillerbundes wird durch ein Bild fest- gehalten werden, das unsere OI der Güte des Herrn Kaufmanns Oltlo Turack verdankt und das in schönem Eichen- rahmen einen prächtigen Abzug der glänzend gelungenen Abschiedsaufnahme vor dem Weimarer Hoftheater ent- hält. Zu den Kosten der Reise steuerte unsere Unterstützungskasse 60 bei.

Unserer Ruderabteilung brachte der Sommer die endliche Erfüllung eines lange gehegten Wunsches, den Besitz eines eigenen Bootes. Ein Geschenk des Herrn Ministers von 300(vgl. den vorigen Jahresbericht S. 19) und eine von Herren desRuderklubs Triton gewährte Beihülfe ermöglichten den Bau eines Vierers. Am 27. August fand bei prachtvollem Wetter auf dem Grundstück desTriton die Bootstaufe statt, bei der der Direktor die Taufrede hielt. Eine Fahrt durch den Dunazig schloß die Feier und zeigte den auf einem Begleitdampfer folgenden Gästen, daß die Jugend unserer höheren Schulen in ihren zahlreichen Böten mit Lust und Liebe, Kraft und Gewandtheit das Ruder führte und daß der Täufling des Tages, derFriedrich Wilhelm, seiner Schule Ehre machte.

Die regelmäßigen Schulfeste wurden in der üblichen Weise gefeiert: am 2. 9. das Sedanfest, am 22. 12. zugleich mit dem Schulschluß das Weihnachtsfest und am 27. 1. Kaisersgeburtstag. Bei der Sedanfeier sprach Herr Oberlehrer Dr. Ribbeck über den Generalfeldmarschall Grafen Moltke. Eine für die Kaisergeburtstagsfeier in Aussicht genommene Rede des Herrn Oberlehrers Dr. Regner über die deutsche Flotte mußte wegen Erkrankung des Redners ausfallen. Dafür feierten die Deklamationen und Gesänge, unter ihnen zwei neue Kompositionen unseres Herrn Musikdirektors, das deutsche Seewesen in seinen mannigfachen Erscheinungsformen; zur Dekla- mation des Matrosenliedes traten 5 Schüler der VII M in Matrosenanzügen und mit schwarz-weiß-roten Flaggen auf. Mit Prämien, Geschenken Sr. Majestät des Kaisers und des Herrn Ministers, wurden bei dieser Feier die folgenden Schüler ausgezeichnet: Hans Mäller UIO(Wislicenus, Deutsche Seemacht), Gustav Schilling UI M (Bohrdt, Deutsche Schiffahrt), Ernst Günther U II O(Berner, Geschichte des preußischen Staates). Die weiteren Einzelheiten ergeben sich aus den nachstehend abgedruckten Programmen.

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