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(5.— 10. Juli 1909.)
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Als am 30. September 1006 in der„Erholung“ zu Weimar von reichlich 100 Per- sonen, darunter etwa 60 aus den verschiedensten Gegenden Deutschlands gekommenen Schul- männern, sowie einzelnen Schulvorsteherinnen und Schauspielern, unter der Leitung an- gesehener Männer Weimars in bewegter Sitzung der Deutsche Schillerbund gegründet worden war, mit dessen Hilfe die nötigen Gelder aufgebracht werden sollten zur Begründung und Erhaltung der von Professor Adolf Bartels angeregten alljährlichen* Nationalfestspiele für die deutsche Jugend, als deren Stätte das Großherzogliche Hoftheater in Weimar gedacht war: da fand dieser Plan zwar in weiten Kreisen, wo man ein Herz für die Jugend hat, und besonders bei den vornehmsten deutschen Dichtern und Schriftstellern lebhaften, ja bis- weilen begeisterten Anklang; aber ganz abgesehen von den ungezählten Tausenden, bei denen man Entgegenkommen erwartet hatte und die doch der Sache tatlos und kühl bis ans Herz hinan entgegenstanden, fehlte es dem jungen Bunde, dessen Protektorat inzwischen der Groß- herzog Ernst Wilhelm von Sachsen-Weimar übernommen hatte, auch nicht an einflußreichen Gegnern und erst recht nicht an mißgünstigen Zweiflern, die ihre Teilnahme verweigerten, weil das erstrebte Ziel sich doch nicht werde verwirklichen lassen..
Um so größer war die Freude für die Begründer des Bundes, denen auch der Schreiber dieser Zeilen angehört, sowie für seine treuesten Anhänger, daß die Nationaljugendspiele, wenn auch nicht in dem von Anfang an geplanten Umfange, so doch genau zu der beabsich- tigten Zeit ins Leben treten konnten. 1
Im Januar 19008 wurde das neue Großherzogliche Hoftheater in Weimar einge- weiht, mit dem man schon bei Gründung des Bundes gerechnet hatte, und am 6. Juli 1909 begannen, dem ursprünglichen Plane gemäß, die ersten unentgeltlichen Vorstellungen für die deutsche Schuljugend. Sechs Wochen im ganzen waren in Aussicht genommen worden mit je vier Aufführungen dichterisch wertvoller Dramen für wenigstens je 800 Schüler und Schülerinnen: Primaner und Sekundaner höherer Lehranstalten, Seminaristen und Semina- ristinnen, etwa 5000 im ganzen. Wir haben uns diesmal auf drei Wochen mit ungefähr 1800 Schülern und Schülerinnen beschränken müssen, weil die bisher aufgebrachten Mittel nicht weiter reichten.— An der ersten Festwoche, die vom 5.—10. Juli dauerte, waren etwa 630 Schüler und Schülerinnen unter Führung von 60 Lehrern beteiligt, darunter aus Stettin der hier Berichtende mit 20 Schülern: 18 Primanern der Friedrich-Wilhelms-Schule, einem Primaner des Wilhelmsgymnasiums und einem Sekundaner des Schillerrealgymnasiums.
8 Wir fuhren Montag den 5. Juli morgens mit dem Eilzuge in froher Stimmung und freudiger Erwartung ab. Galt es doch nicht bloß den Festspielen im Großherzoglichen Hoftheater beizuwohnen, sondern auch die hervorragenden Kunstschätze Weimars und dessen zahlreiche und weihevolle Erinnerungsstätten kennen zu lernen, sowie einige der. schönsten Teile des Thüringer Landes zu durchstreifen.
* So war es ursprünglich geplant; inzwischen aber ist der Beschluß gefaßt worden, die National- festspiele nur alle zwei Jahre stattfinden zu lassen.
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