Aufsatz 
Die Belagerung von Frankfurt
(1552)
Entstehung
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Die Velagerung von Franhkfurt.*) (1552.)

Wie es unſeren Vorfahren ergangen, wie ſie in Noth und Gefahr treulich ausgehalten und alle Zeit auf die Vor⸗ ſehung, welche Alles leitet und herrlich hinausführet, feſt vertraut haben, das erzählt uns die Geſchichte unſerer Vaterſtadt. Sie ſtellt uns die heiteren und traurigen Tage, Tugenden und Fehler, Vorzüge und Gebrechen längſt ent⸗ ſchwundener Geſchlechter dar, damit wir dadurch zur Erkennt⸗ niß des Unrechts und zur Nacheiferung im Guten gelangen ſollen. Dieſe Blätter bezwecken, eine Zeit ſchwerer Noth zu ſchildern, in welcher unſere Vorfahren ſich männlich gehalten und großes Leid ſtandhaft ertragen haben, bis die erſehnte Stunde der Erlöſung aus Angſt und Betrübniß erſchien. Luther's Lehre hatte ſich in unſerem deutſchen Vater⸗ lande raſch Bahn gebrochen. Die neu aufgerichtete Kirche gedieh zuſehends, begünſtigt von glücklichen Zeitverhältniſſen, welche dem zürnenden Papſte und ſeinem treuen Diener, *) Ueber die Belagerung von Frankfurt beſitzen wir noch gleich⸗ zeitige Tagebücher: 1) Ludwig Ernſt Neuhauß, kurze, aber wahrhaftige Beſchreibung der Belagerung von Frankfurt, 1552, S. 128 bis 326. 2) Magiſters Melchior Ambach, Frankfurter Belagerung Anno 1552. Beide ſind in der Uffenbachiſchen Sammlung auf der hieſigen Stadt⸗ bibliothek. 3) Das Tagebuch in Lersner's Chronik I. S. 382 bis 388 und einige Urkunden dazu II. S. 456 ꝛc. 4) Kirchner benutzte in ſeiner Geſchichte der Stadt Frankfurt zu der Schilderung der Belage⸗ rung von 1552 vorzugsweiſe das Tagebuch des Ludwig Ernſt Neu⸗ hauß, dem er in der Einleitung, wie Fichard im Frankfurter Archiv II.

S. 301 den VornamenGeorg beilegt. 1*