gust 1888 erfolgten Berufung an das Realprogymnasium zu Geisenheim und Herr Friedrich Fried nach Beendigung seines Probejahres von Herbst 1888 ab. Zur Ableistung des Probejahres wurden uns zugewiesen Ostern 1888 Herr Heinrich Lange und Herr Ludwig Fischer, welch' letzterer sich Neujahr 1889 durch Familienverhältnisse veranlaßt sah, seine Lehrthätigkeit zunächst zu unterbrechen; ferner Herbst 1888 Herr Heinrich Becker II.— Herr Oberlehrer Dr. Wolff erhielt auf sein Ansuchen Ostern 1888 einen einjährigen Vrlaub und wurde erst von Herrn Johannes Heid- sieck, und nach dessen Erkrankung vom 1. November 1888 ab von Herrn Friedrich Fried ver- treten.— Durch Beschluß der städtischen Behörden wird vom 1. April 1889 ab eine Hülfslehrer- stelle in eine definitive und zwar II. Gehaltsklasse verwandelt und diese neue Stelle durch Auf- rücken im Lehrerkollegium selbst besetzt werden, in die freiwerdende Stelle VII. Gehaltsklasse aber Herr Dr. August Hahn, welcher der Wöhlerschule seit Ostern 1883 erst als Probekandidat, dann als wissenschaftlicher Hülfslehrer angehört hat, einrücken. Wir statten auch an dieser Stelle den verehrlichen städtischen Behörden gern den besten Dank für die wohlwollende Art ab, mit der sie den Bedürfnissen unserer Schule, die auch in den oberen Klassen sich stetig und kräftigfortentwickelt hat, entgegengekommen sind und das Lehrerkollegium der Wöhlerschule wieder- um neuer Anerkennung gewürdigt haben. Nachdem in den letzten Jahren eine Stelle VIII. Klasse in eine solche III. verwandelt worden ist, und zwei neue Stellen II. Klasse hinzugekommen sind, hat die Wöhlerschule nun 30 definitive Stellen, nämlich 1 I. Klasse(Direktor), 2 II., 3 III., 4 IV., 4 V., 4 VI., 5 VII. und 7 VIII. Gehaltsklasse.
Die Turnspiele fanden während des Sommers 1888 in gewohnter Weise Mittwoch nach- mittags auf dem Altaracker unter Leitung der Herren Oberlehrer Dr. Weber, Tack und Steit- statt. Es hatten sich aus den Klassen VI bis I dazu angemeldet 241 Schüler; am Spiele selbst nahmen wirklich teil 204; der Durchschnittsbesuch war 136 oder 66%, was gegen das Vorjahr eine Zunahme von 5% ergiebt. Die Beteiligung am Spiel war eine recht lebendige, so daß wir annehmen dürfen, daß die Vorurteile, welche bei manchen Eltern früher gegen diese Spiele herrschten, stark im Schwinden begriffen sind. Die Wöhlerschüler waren in 3 Abteilungen ge- sondert; bei allen Spielen waren dabei in der ersten Abteilung( und II): 19, in der zweiten (III und IV): 17, in der dritten(V und VD: 13 Schüler; diese 49 erhielten einen Nachmittag zu einem Turnausflug frei. Die beliebtesten Spiele der größeren Schüler waren Schlag-, Stoß-, Schleuder-, Thorball(Cricket) und namentlich Fußball. Am 19. September vollführten die Schüler der hiesigen höheren Schulen unter Leitung des städtischen Turninspektors Herrn Weidenbusch und in Gegenwart des Kuratoriums sowie der Direktoren und mancher Lehrer der höheren Schulen große Wettspiele, welche zur Belebung dieser für die körperliche Entwickelung unserer Jugend nicht hoch genug zu schätzenden Übungen ohne Zweifel bedeutend beitragen werden.
Leider hatten wir auch dieses Jahr den Tod zweier trefflichen lieben Schüler zu beklagen. Am 3. Oktober 1888 starb während der Herbstferien der Untersekundaner Jean Steinebach und am 16. Februar 1889 der Obertertianer Wilhelm May, jener der Stolz und die Hoffnung seiner Eltern, dieser die Freude und der Trost seiner verwitweten Mutter. Lehrer und Schüler haben an dem Verluste der so schwer geprüften Familien den innigsten Anteil genommen.
Unter Leitung des Herrn A. Morin veraustalteten die Schüler vor einer zahlreichen Versammlung von Angehörigen und Freunden am 21. April 1888 und am 2. Februar 1889 in der Aula musipalische Auffüährungen, bei denen Orchesterstücke mit Gesängen abwechselten, und das Bestreben unserer Schüler, auch auf dem Gebiete der Musik etwas zu leisten, den freundlichsten Beifall der Zuhörer fand.


