Aufsatz 
a) Rede zur Feier des hundertjährigen Geburtstages Schillers. b) Rede zur Feier des 100jährigen Todestages des Grafen von Zinzendorf
Entstehung
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zu dem Ufer der Wolga feierlich gedacht, und wir thun es auch. Wir haben dazu ganz beſonderes Recht und theuren Anlaß. Das Königliche Pädagogium feiert heute ſeinen berühmteſten, ſeinen in der Arbeit am Reiche Gottes geſegnetſten Zögling.

Am 16. Auguſt 1710 iſt Nicolaus Ludwig Graf und Herr von Zin⸗ zendorf und Pottendorf hier aufgenommen, oder wie es in unſern Büchern heißt, es wurden ihm ſammt zwei andern Novitüs vor der Conferenz die leges vorge⸗ halten. Der Knabe hatte vor Kurzem das zehnte Jahr überſchritten. Schon aus dieſen erſten zehn Jahren hätte ich Euch viel zu erzählen. Doch würde es die Zeit nicht leiden. Der Vater war wenige Wochen nach Zinzendorfs Geburt geſtorben, die Mutter hatte ſich 1704 mit dem preußiſchen Feldmarſchall von Natzmer vermählt. Der Knabe ward bei ſeiner Großmutter, der verw. Freifrau von Gersdorf auf Schloß Hennersdorf in der Lauſitz mit der liebevollſten Sorgfalt und Frömmigkeit erzogen. Er zeigte früh vielſeitige Geiſtesgaben, große Zärtlichkeit und Innigkeit des Gemüths und Luſt zu göttlichen Dingen. Seltenes und Bedeutungsvolles wird ſchon aus jener Zeit von ihm berichtet. Er ſchrieb Briefe an den Heiland und warf ſie ins Freie, wo ſie der liebe Herr ſchon finden werde: er hielt Predigten, betete häufig und an⸗ dächtig. Die Soldaten Karls XII., die 1706 auf das Schloß drangen, traten in ehrerbietiger Scheu vor dem gerade betenden Kinde zurück. Dabei war ihm Gemein⸗ ſchaft mit Andern ſchon damals Herzensbedürfniß. Mit andern Knaben ſchloß er Bündniſſe, um gemeinſam zu beten, um Gott immer wieder von Neuem Treue zu gelo⸗ ben. Aber viel mehr, als man bisher gewußt hat, war, nach ſpäteren Erfahrungen zu urtheilen, mit dieſen lieblichen Vorzeichen künftiger Gnadengaben Unlauteres und Fleiſchliches verknüpft. Zärtliche Liebe hatte ihn ja in das Eine, was noth iſt, frühe eingeführt, aber vielleicht auch, wie es bei Knaben, die nur unter weiblicher Erziehung aufwachſen, zu gehen pflegt, in gewiſſer Weiſe verwöhnt und verweich⸗ licht. Zwei häßliche Flecken, die ſich gerade einem Zuge zu dem Heiligen bei dem ſündigen Menſchen leicht zugeſellen, traten bei Zinzendorf ſpäter deutlich hervor: Hoch⸗ muth und Hang zur Unwahrheit. Die fromme Greiſin erkannte wohl ſchon damals

*) Spener(der Z. aus der Taufe gehoben) und Canſtein von Berlin, Francke und Anton von Halle waren, als der Knabe vier Jahre zählte, in Groß⸗Hennersdorf geweſen und hatten ihn geſegnet mit einemSpecialſegen, deſſen er ſich lebenslang dankbar erinnerte.