Aufsatz 
Die Mnemonik und Stenographie als Mittel zur leichteren und sicheren Bewältigung des Unterrichtsmaterials in Real- und Höheren Bürgerschulen
Entstehung
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ſer Unterricht ſehr intereffant, theils weil ſie von dieſer ſo ver⸗ ſchieden beurtheilten Gedächtnißkunſt beſſere Kenntniſſe erlangten, theils weil ſie einen tiefern Blick in die Natur des Gedächtniſſes gewannen. Wer endlich kennt nicht den Begründer der Mne⸗ monik als eigentliche Wiſſenſchaft und den Rieſen in ſeiner Kunſt, Hermann Kothe! Alle deutſche Zeitungen unſerer Tage ſind voll ſeines Lobes; die Kölniſche, die Leipziger Illuſtrirte (1853), die Conſtitutionelle(52), die Voſſiſche, Deutſche Allg. (53) können nicht ſtark genug ihre Bewunderung über die Lei⸗ ſtungen dieſes Mannes ausdrücken. Es bleibt darum vollſtän⸗ dig räthſelhaft, daß nach ſolchen Proöben noch Niemand auf die Idee kam, dieſe ſo nützliche Kunſt in die Schute zu verpflanzen und dadurch zum Gemeingute zu machen. Wir, die wir Jahr⸗ hunderte lang nichts Beſſeres zu thun wußten, als Griechen und Römer und ſpäter Franzoſen und Engländer nachzuahmen, dach⸗ ten bis jetzt nicht daran, aus einer Kunſt Nutzen zu ziehen, die ein Pithagoras lehrte, ein Cicero übte und ſelbſt ein Leib⸗ nitz bereicherte.) Nur eine Stimme erhob ſich meines Wiſſens bis jetzt dafür. Seminardirektor Curtmann aus Friedberg hielt in der ſechſten Verſammlung deutſcher Real⸗Schulmänner zu Eiſenach einen ausführlichen Vortragüber Mnemonil als Mittel, den Realunterricht zu conventriren und dem Leben näher zu bringen. Schade, haß der⸗ ſelbe nur im Auszug gedruckt vorliegt! Die motivirte Anſicht eines als Pädagog und Bildner junger Elementarlehrer rühm⸗ lichſt bekannten Mannes würde gewiß der Mnemonik manchen Jünger unter den Schulmännern zufuͤhren. Seine Mnemö⸗ ſyne, Archiv für Gedächtnißkunſt(1. Heft. Als Manuſeript gedruckt) enthält nach den eigenen Worten des Verfaſſers keine Anleitung. Seine Gegner in dieſer Verfammlung waren Dr. Hüſer aus Halle, Director Dielitz und Profeſſor Kaliſch aus Berlin. Erſterer erkannte zwar als richtig an, daß das Gedachtniß durch Aſſociation unterſtützt werde, nur dürfe dieſe nicht willkürlich zurecht gemacht ſein, müſſe vielmehr organiſch aus der Sache ſelbſt hervorgehen. Direktor Dielitz wandte da⸗ ſegen ein, daß in den meiſten Fällen die Hilfsmittel ebenſo ſchwer zu behatten ſeien, wie die Sache ſelbſt; ſerner beſtehe in der Regel zwiſchen dem Hilfsmittel und der Sache ſelbſt kein logiſcher Zuſammenhang, und die Schüler würden daher veran⸗

*) Im einem Aufſatze, der ſich handſchriftlich im Atchive zu Hanover be⸗

iindet, ſtellt er ein Zahlenconſonantenſchema auf. Er ſttzt z. B. 1⸗⸗5,

pn; 6=m; 5=1; 7=n und merrkt ſich hiernach etwa das Jahr der

6 1657 durch das Wort Bäumlein: die Sündfluth geſchah unter ſem Bäumlein.