Aufsatz 
Aufgabe und Einrichtung der Höheren Bürgerschule
Entstehung
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treffenden Apparate und Naturerſcheinungen und unter Benützung eines kleinen phyſtkaliſchen Cabinets.*) 7. Geſchichte. Da bezuͤglich der methodiſchen Behandlung des Geſchichtsunterrichtes immer mehr erkannt wird, daß ein bloß in chronologiſcher Reihen⸗ folge ertheilter Geſchichtsunterricht nicht fruchtbar für die Bildung der Jugend iſt, daß im Gegentheil derſelben nur das Einzelne warm und lebensvoll erſcheint, daß nur an dem Bilde großer Männer die Einbildungskraft des Knaben belebt und das Herz des Jünglings erwärmt wird: ſo werden mit dem Anfange des neuen Schuljahres in der zweiten Klaſſe nur Geſchichtsdarſtellun⸗ gen in Biographien vorkommen; die erſte Klaſſe wird alsdann das geſchichtliche Material in chronologiſche Ueberſicht bringen, die Lücken ergänzen und dann beſonders Rückſicht auf das Staats⸗ und Volksleben, das religiöſe Leben die Kirche Kunſt und Wiſſenſchaft, Erfindungen und Entdeckungen nehmen. 8) Geo⸗ graphie: In zwei wöchentlichen Stunden für jede Klaſſe die phyſiſche und politiſche GeographieDeutſchlands und der übrigen europäiſchen Länder ganz ſpeciell, die der übrigen Welttheile in allgemeineren Umriſſen. Mathematiſche Geographie. 9) Zeich⸗ nen: Freihand⸗ und geometriſches Zeichnen.*) 10) Im Schön⸗ ſchreiben wird eine leichte und gefällige, deutſche und engliſche Schrift bei beiden Klaſſen zu erzielen geſucht. 11) Geſang⸗ unterricht: Einüuͤbung zwei⸗ und dreiſtimmiger Lieder nach Noten. 12) Turnen: Verſchiedene Turnapparate ſind in dem Schulhofe aufgeſtellt, woran die Schüler ſich üben können.

III. Die Disciplin wird mit der größtmöglichſten Hu⸗ manität geübt. Die nächſte Strafe iſt eine einfache Rüge, dann eine Rüge vor der ganzen Klaſſe, welche zugleich durch die mo⸗ natlichen Zeugniſſe den Eltern bekannt wird und endlich Aus⸗ weiſung aus der Anſtalt. Es iſt jedoch beſonders hervorzuheben, daß auch nicht ein einzigesmal waͤhrend der 8 Jahre des Be⸗ behen⸗ der Anſtalt zu dieſem äußerſten Mittel gegriffen werden mußte.

IV. Das Schulgeld beträgt für das ganze Jahr 25 fl.; weniger bemittelte Eltern zahlen nur 12 fl. und bleibt es jedes⸗ mal dem Ermeſſen des Großherzoglichen Bürgermeiſters dahier anheim geſtellt, in welche Klaſſe die reſp. Eltern zu bringen ſind. Außerdem iſt auch wohl zu vermuthen, daß der Gemeinde⸗Vor⸗

*) Dasſelbe enthält eine Elektriſirmaſchine, eine Handluftpumpe, einen . Zeigertelegraphen ꝛc.

) Außerdem iſt denjenigen Schülern, welche ſich im eigentlich techni⸗ ſchen Zeichnen beſonders qualiſiciren wollen, durch die hieſige Sonn⸗ tags⸗Zeichnenſchule ſowohl in Anſehung der Lehrer, als auch der Lehr⸗ mittel die vorzüglichſte Gelegenheit geboten.