I. Aufgabe und Einrichtung der höheren Bürgerſchule.
De höhere Bürgerſchule dahier iſt einerſeits aus dem Be⸗ dürfniſſe entſtanden, im Allgemeinen eine weitere Ausbildung für Knaben zu erreichen, als ſolche in der Volksſchule geboten werden kann, andernſeits aber auch denjenigen Schuͤlern, welche ſpäter eine höhere Lehranſtalt beſuchen wollen, die zu einem erfolgreichen Beſuche derſelben nöthigen Kenntniſſe zu vermitteln. Indem ſie alſo zunächſt vollſtändig in der Elementarſchule wurzelt, bezweckt ſie tiefere Begründung und vielſeitige Anwendung der aus der Elementarſchule mitgebrachten Errungenſchaften, ſodann ſucht ſie aber als Fortbildungsanſtalt ihre allgemeinen Bildungs⸗ zwecke vermittelſt ſolcher Lehrobjecte zu verwirklichen, welche in ihrem realen Theile diejenigen Kenntniſſe und Fertigkeiten bieten, wie ſie der künftige Lebensberuf fordert. Unſere Anſtalt iſt alſo ihrem Weſen nach eine Realſchule und will, was jede„verſtändige Realſchule“ will,„ihre Zöglinge für das Leben brauchbar machen, aber ſie will und kann ſie nicht dafuͤr fertig machen. Letzteres bleibt verſtändiger Weiſe der Werkſtatt, dem ſpe⸗ ciellen Comptoir zc. überlaſſen.“*)
Ihren andern Zweck aber, Befähigung ihrer Schüler zum Beſuche höherer Lehranſtalten,**) ſucht ſie nicht etwa durch maſ⸗ ſenhafte Anhäufung von Lehrobjecten oder durch unnatürliche, dem Alter ihrer Schüler alſo nicht entſprechende Erweiterungen der einzelnen Disciplinen zu erreichen; ſondern hauptſächlich durch die Art und Weiſe der Behandlung der einzelnen Gegenſtände.
Wenn in den obern Klaſſen der Volksſchulen, um nur ein Bei⸗ ſpiel anzuführen, die Schüler mit den wichtigſten Naturprodukten — Eigenſchaften, Nutzen und Vorkommen derſelben— bekannt gemacht werden, ſo wird unſere Anſtalt kaum mehr Körper vor⸗
*) Beilage zum Programm von 1853 des Gymnaſiums zu Worms von Dr. W. Wiegand.
*) Provinzialrealſchulen, Gewerbſchulen, die Vorbereitungsklaſſen der poly⸗ techniſchen Anſtalten.


