— 106—
Beklommenheit, von dem Drucke jener Gewitterschwüle, welche bei Shakespeare überall da auf der Handlung lastet, wo noch eine Schuld ihrer Sühne harrt.“ Tatsächlich wird niemand, der das Drama Heinrich V. unbefangen liest, den Eindruck haben, dass dieser König der Fortsetzer eines alten Verbrechens sei und seinem Nachfolger eine unrechtmässige Herrschaft vererbe.
Mit seinem Eintreten für die Dynastie der Lancasters verteidigt Shakespeare eine Herrscherfamilie, die durch den Sturz eines unfähigen und schwachen, aber immerhin legitimen Königs auf den Thron gelangt ist. Die Ansicht von der Unverletzlichkeit des Königs von Gottes Gnaden darf sich daher nicht, wie es geschehen ist, auf Shake-
speare berufen.
e


