Aufsatz 
Die handschriftliche Überlieferung des Isokrates : II. Der Urbinas und seine Verwandtschaft / von H. Buermann
Entstehung
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Nachdem im ersten Teil die Handschriften der Vulgata klassifiziert und reduziert sind, folgt nunmehr die Behandlung des anderen Zweiges der Überlieferung, der seinen Hauptvertreter im Urbinas 111 hat. Als Beilage waren ursprünglich die Kollationen zum Panathenaikos in Aussicht genommen, weil diese Rede das reichste Material für die Beurteilung der Korrekturen in I bietet. lch habe aus räumlichen Rücksichten davon Abstand genommen und gebe statt dessen die Varianten von I4ℳ, zu Paneg.§ 51 99 und die von T OA zum Schluſfs der Antidosis. Was sonst an Ergänzungen nötig schien, ist im Text selbst gegeben.

II. Der Urbinas und seine Verwandtschaft.

1 Urbinas 111= I. a) Allgemeines.

Der Urb. 111, die älteste und wichtigste aller Isokrateshandschriften, ist ein cod. membr. saec. X foll. 420, ohne Scholien, in Vollzeilen in der reinen alten Minuskel beschrieben. Der Inhalt ist Teil I S. 2 angegeben; eine Obersicht über die bibliothekarische Geschichte der Hand- schrift und eine genaue Beschreibung giebt Martin, Le manuscrit d'lsocrate Urbinas CXI de la Vaticane. Paris 1881. Ich werde das Hauptgewicht auf die Behandlung der Korrekturen legen. Für die Geschichte verweise ich vollständig auf Martin; auch seiner Beschreibung habe ich nur einige Kleinigkeiten hinzuzufügen.

Das am Ende verloren gegangene, den Schlufs des Briefes an die Mytilenäer enthaltende Blatt hat einen Abdruck auf fol. 420 hinterlassen. Ich finde einen zweiten Abdruck, der, wie es scheint, von einem bemalten Deckblatt herrührt, auf dem oberen und unteren Rande von fol. 1* und schliefse daraus gegen Martin, dals F von Anfang an weder eine Vita, noch Argumente, noch irgend etwas anderes vor den Reden enthalten hat.

Dem Schriftcharakter nach zerfällt die Handschrift, wie schon Bekker bemerkt hat, in zwei Teile, fol. 1 326 ²2 und fol. 326 b 420. Der zweite Teil rührt von einem anderen Schreiber her, als der erste; beide sind aber von Martin richtig als Zeitgenossen bestimmt. Der Schreiber des zweiten Teils ist weniger sorgfältig, als der des ersten. Darauf weist nicht nur das Schwanken der Zeilenzahlen zwischen 20 und 26 hin, während im ersten Teil die Seite

regelmäfsig 24 Zeilen hat; man kann eben darauf auch das Eindringen der Unzialformen zurück- 1*