Aufsatz 
Festschrift zur Feier des 25jährigen Bestehens der Großherzoglichen Realschule zu Wimpfen a. Neckar am 2. und 3. April 1897
Entstehung
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blatt des Grossh. Ministeriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten, vom 28. Oktober 1878.)

Schon 14 Tage vorher, bei der Feier des Geburtstages S. K. Hoheit des Grossherzogs Ludwig IV. am 12. September, hatte der Dirigent nach einem sehr interessanten Vortrag des Reallenrers Jägerüber Schutzvorrichtungen bei den Blüten darauf hingewiesen, welchen Aufschwung die Schule in diesem Jahre genommen habe, indem ihr eine Berechtigung zu Teil geworden sei, die keine Stadt am unteren Neckar, von Heilbronn abwärts bis Heidelberg, habe. Er sprach dabei dem Stadtvorstand und dem Gemeinderat seinen Dank aus, der zum Gedeihen der Anstalt seine milde Hand gezeigt; nicht weniger aber sprach er der hohen Staatsregierung seinen Dank aus, die die Anstalt vor so mancher anderen bevorzugt habe, überhaupt so reges Interesse für Wimpfen hege.

Mit dieser Berechtigung waren der Schule gleichzeitig noch eine Reihe von anderen Berechtigungen zugefallen, die für ihre Fortentwicklung von derselben Bedeutung waren. Es sind dies besonders die Berechtigung zum Eintritt in den mittleren Eisenbahn-, Post- und Telegraphendienst, der Erlass der Aufnahmeprüfung für das Aktuariats- und Finanz- fach, für den Eintritt in die technische Hochschule, die Zulassung zur Prüfung für Geometer I. Kl. u. s. w. Die Berechtigung zum Eintritt in den mittleren Eisenbahn- und Postdienst in Württemberg wurde auf besonderen Antrag des Direktors Münch am 24. April 1890 zugestanden.

Die unmittelbare Folge der erhöhten Stellung der Schule war die Verfügung Grossh. Miaisteriums des Innern vom 3. Dezember 1878, der zufolge die Anstalt dem Ministerium unterstellt wurde, sodass künftighin alle Berichte des Kuratoriums und des Dirigenten nicht erst an die Kreisschulkommission Heppenhceim, sondern direkt ans Ministerium zu gehen hatten. Gleichzeitig wurde dem Leiter der AmtstitelRektor verliehen. Im Jahresbericht 1878/9 spricht dieser der Kreisschulkommission Heppenheim, der bisherigen vorgesetzten Behörde, seinen Dank aus für das rege Interesse und das Wohlwollen, das dieselbe für die Schule stets bethätigt habe.

Durch diesen Beschluss war die Schule endgültig in die Reihe der höheren Lehr- anstalten des Grossherzogtums aufgenommen worden, und es blieb abzuwarten, ob die darauf gesetzten Hoffnungen sich erfüllten: dass Wimpfen durch seine höhere Schule wieder ein Mittelpunkt werde für seine Umgebung, der es früher gewesen sei, dass es wieder den Verkehr und die Bedeutung erlange, die ihm vermöge seiner isolirten Lage vom Hauptland verloren gegangen sei.(Wimpfener Zeitung Nr. 37 von 1878). Diese Hoffnungen haben sich, wie wir gleich anfügen wollen, nur zum Teil erfüllt; dass sie sich nicht ganz erfüllten, liegt nicht nur daran, dass Wimpfen eine Enclave ist, sondern auch vornehmlich in der Entwicklung der modernen Verkehrsverhältnisse, in dem vor- handenen Zug zur grösseren Stadt. In dieser Hinsicht ist für Wimpfen das sich rasch entwickelnde benachbarte Heilbronn ein unüberwindlicher Hemmschuh. Es gleicht die Entwicklung der Städte und Städtchen vollkommen den Verhältnissen im bürgerlichen Leben. Und da die wohlhabenden Leute, die für ihre Kinder eine höhere Bildung wünschen, mehr und mehr den grossen Städten zustreben, so wird die Existenz der höheren Schulen in kleinen, nicht entwicklungsfähigen Städten gefährdet, indem die Zahl der auf sie angewiesenen Schüler langsam abnimmt. Dem steht freilich das sich fortwährend steigernde Bildungsbedürfnis entgegen, und daher macht sich die Abnahme so lange nicht geltend, als die allgemeine Wohlhabenheit wächst, tritt aber in Zeiten ungünstigen Erwerbs sofort in Erscheinung.