Schillers spätere Dramen im Lichte seiner ästhetisch-sittlichen Weltanschauung.
Welche Bedeutung für Schiller als Menschen und Dichter seine durch Kant angeregten philosophischen Studien gehabt haben, ist oft genug hervorgehoben worden. Man hat aber bei dem Nachweis des Einflusses dieser Studien auf die späteren poetischen Schöpfungen des Dichters meist nur dessen Gedankenlyrik in Betracht gezogen. Dagegen ist die Frage, wie sich Schillers in den philosophischen Schriften niedergelegte ästhetisch-sittliche Weltanschauung in seinen späteren Dramen widerspiegelt, zwar oft gestreift, aber ausführlicher nur von Kühnemann in seiner Schrift»Ueber die Kantischen Studien Schillers und die Komposition des Wallenstein« und in seiner Schillerbiographie behandelt worden.
Die vorliegende Arbeit will das, was bisher über den genannten Gegenstand bemerkt worden ist, ergänzen und möglichst klar und übersichtlich zusammenfassen, und zwar in erster Linie für die Zwecke der Schule. Der deutsche Unterricht der Oberstufe kann m. E. seine wichtigste Aufgabe, ein tieferes Verständnis für Schiller zu vermitteln, nur dann erfüllen, wenn er nicht bloß die philosophischen Gedichte, sondern auch die Meisterdramen des Dichters als Ausdruck seiner idealen welt- anschauung und seiner großen, edlen Persönlichkeit begreifen lehrt.
Schillers philosophische Schriften, in denen er seine Kunst- und Lebens- anschauung niedergelegt hat, lassen sich folgendermaßen gruppieren: Die»Briefe über die ästhetische Erziehung des Menschen«, die»Gedanken über den Gebrauch des Gemeinen und Niedrigen in der Kunst«, die Abhandlung»UÜber Anmut und Würde« handeln von dem Schönen und der Kunst im allgemeinen; hierher gehören auch die sogenannten Kalliasbriefe. Die Abhandlung»Uber naive und sentimentalische Dichtung« erörtert die Aufgaben und die verschiedenen Arten der Poesie. Die Schriften»ÜUber den Grund des Vergnügens an tragischen Gegenständen«, »Uber die tragische Kunst«,»Über das Pathetische« und»Uber das Erhabene⸗ untersuchen das Wesen des Tragischen und die Aufgabe der tragischen Dichtkunst.
Fast in allen diesen ästhetischen Schriften werden auch Fragen aus dem Gebiete der Ethik und der Weltanschauung behandelt; denn für Schiller steht das


