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die Gebäude trugen, von vielerlei Gemächern und Woh- nungen, tausend Pforten und Thüren, wie sie die Kunst der Meister und die Geschicklichkeit der Handwerker geschaffen.
Von der einstigen Pracht und Herrlichkeit ist wenig mehr vorhanden. Der Teil des Marktfleckens Nieder- Ingelheim, in dem die Reste des Kaiserpalastes liegen, führt noch heute den Namen»der Saal«. Die St. Remi- giuskirche, in der Mitte»des Saales« gelegen, wurde im 12. Jahrhundert, vermuthlich durch Kaiser Friedrich I. Barbarossa im Jahr 1154, auf den Grundmauern der frühe- ren Palastkirche errichtet. Westlich der Kirche und mit dieser ehemals durch ein Atrium verbunden, bezeichnen einige Mauerzüge die Stelle des Festsaales. Ausgrabungen und eingehende Untersuchungen aus den Jahren 1873 und insbesondere 1888/89 ermöglichen ein ziemlich genaues Bild der kaiserlichen Pfalz zu entwerfen.(P. Clemen, der karolingische Kaiserpalast zu Ingelheim in der West- deutschen Zeitschrift f. Geschichte u. Kunst.) Aufgedeckt wurden und teilweise noch heute sichtbar sind, aus ka-— rolingischer Zeit, die Überreste des Fest- und Speise- saales(Trichorum), welcher sich als dreischiffige Säulen-— basilika, ohne Querschiff, mit halbkreisförmiger Apsis darstellt. Gegen Norden waren(nach Clemen) zwei wei- tere Räume, das Consistorium und vor diesem der Em-— pfangssaal(Salutatorium) vorgelegt, in diesen gelangte man durch eine der Lorscher ähnliche Thorhalle.
Von dem Hauptraum, dem Festsaal, sind an der süd- östlichen Ecke die bemerkenswertesten Reste, Apsisecke mit Kämpfergesimsstück, vorhanden. Die Säulen des Innern sind nach verschiedenen Orten verschleppt worden, so sind sechs solcher Säulenschafte im Schlosshof zu Heidel- berg, andere in Mannheim, Wiesbaden, Mainz und in Ingelheim selbst. Von den Heidelberger Säulen schreibt Sebastian Münster(geborener Ingelheimer) in seiner Cos- mographia von 1544:»Es seind bey meiner gedechtnuss noch fünff oder sechs steinen gegossen seulen darin ge-—


