Aufsatz 
Aus der Geschichte der Selektenschule : der ältesten höheren Schule Frankfurts am Main / von Karl Breuer
Entstehung
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VI. Auf Wegscheide. Die Anstalt schickt alljährlich eine Klasse auf die Wegscheide im Spessart.

Wir waren dort

im Jahre 1921 vom 9. September ab für vier Wochen mit 25 Schülern unter Führung der Herren Studienrat Schmitt, Studienrat Dr. Heimen, Oberschullehrer Müller und Studien- Assessor Ernst, die je eine Woche oben waren;

im Jahre 1922 vom 19. Juni ab für vier Wochen mit 30 Schülern unter Führung der Herren Studienrat Dr. Heimen, Studienrat Ernst, Studienrat Fuchs und Studien-Assessor Dr. Gerber, wiederum je eine Woche;

im Jahre 1923 während der Sommerferien mit 50 Schülern unter Führung der flerren Studiendirektor Dr. Breuer und Studien-Assessor Dr. Gerber, die mit ihren Familien vier Wochen oben waren. 3

Die Herren haben regelmäßig Bericht über ihre Erfahrungen erstattet, die in den Konferenz-Protokollen der betreffenden Jahre und in den handschriftlich hergestellten Jahresberichten niedergelegt sind.

Im Schuljahr 1924 besuchten wir die Wegscheide vom 10. Juli bis 4. August unter Führung von Herrn Studien-Assessor Dr. Wagner. Ueber den Aufenthalt berichtete der folgende Aufsatz des Obertertianers Wolter:

Auf Wegscheide.

Am 19. Juli fuhren wir unter Führung des Herrn Studienassessors Dr. Wagner auf die Wegscheide. Nachdem wir am Südbahnhof und in Offenbach noch einige Gruppen aufgenommen hatten, ging es ohne weiteren Aufenthalt bis Bad Orb. Dort erwarteten uns Bauern, um unser(Gepäck aufzunehmen. Munter singend schritten wir unserm künftigen Aufenthaltsorte entgegen. An der Wegscheide-Grenze überreichte uns die heimkehrende Gruppe das Wegscheidebanner mit einem kräftigenHeil!

Zur Aufrechterhaltung der Ordnung teilte Herr Dr. Wagner unsere Abteilung in zwei Gruppen ein, deren Führung dem Untersekundaner Hohmann und dem Obertertianer Wolter übertragen wurde. Ihre erste Tätigkeit bestand darin, eine Dienstordnung für die einzelnen Tage schriftlich festzulegen nach Maß- gabe der Bestimmungen, die Herr Dr. Wagner für unser Heim aufgestellt hatte. Dann schmückten wir unsre Baracke aus, die denn auch den Vergleich mit den andern Heimen gut aushalten konnte. Unsere Wohnstätte, Heim 28, rechts, nannten wir eingedenk unserer SchuleZu den 22 Rittern der Fisernen Hand. Unsere Tagesordnung richtete sich selbstverständlich nach der Wegscheide-Ordnung.

Morgens um 7 Uhr standen wir auf, holten um 7 G Uhr unsern Kaffee und durften dann bis zum Früh- stück auf der Höhe oder in den Lagerstraßen spazieren gehnen. Um 10 Uhr assen wir eine kräftige Suppe zum Frühstück. Hierauf hatten wir alle bis zum Mittagessen frei; diese Zeit war meistens den Schüler- wettspielen gewidmet. Das Mittagessen war stets reichlich und gut. Wenn das Geschirr von denStuben- reinigern gespült war, herrschte bis 3 Uhr strenge Mittagsruhe im ganzen Lager. Dann gab es den Nach- mittagskaffee. Kleine Ausflüge führten uns in den Spessart, um Land und Leute kennen zu lernen. Zum Abendessen um 7 Uhr waren wir wieder im Lager. Wir gingen dann noch ein wenig auf die Höhe, um mit den Kindern der anderen Gruppen, die aus Oberschlesien, Hamburg, Lübeck usw., gekommen waren, bekannt zu werden. Um 9 ½¼ Uhr sollten wir schlafen, was wir denn auch nach einigen Tagen taten. Das Singen des alten VolksliedesHört ihr Herrn und laßt euch sagen gab die Zeit zum Schlafengehen an. Das Wecken und Abholen des Essens wurden durch ein Hornsignal angezeigt.

Größere Feiern wurden fast jedesmal durch Regen gestört, so die Begrüßung des Herrn Ministerial- direktor Kaestner und des Herrn Rektors Jaspert. Am Sonntag, den 3. August, war Besuchstag für die Eltern. Da dieser Tag der Gedenktag aller im Weltkrieg gefallenen Soldaten war, gedachte Herr Rektor Jaspert mit kernigen Worten unserer tapferen Toten. Das an den Besuchstagen übliche Fest mußte infolge Regens leider abgebrochen werden. Am nächsten Tage schlug für uns die Abschiedsstunde zur Heim- kehr nach Frankfurt.