Aufsatz 
Aus der Geschichte der Selektenschule : der ältesten höheren Schule Frankfurts am Main / von Karl Breuer
Entstehung
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III. Unsere Schulgruppe des Vereins für das Deutschtum im Ausland.

Leiter: Studienassessor Dr. Gerber.

Einen hübschen Abschluß hatte die Arbeit unserer Schulgruppe im Schuljahr 1923 durch den Vortrag des damaligen Obertertianers Gutfleisch über Ostdeutsche Kolonisation und, im Zusammenhang hiermit, über das Deutschtum in den durch den Versailler Vertrag abgetretenen östlichen Gebieten gebracht. Der Auftakt für 1924 bildete unsere Fahrt Lur großen Pfingsttagung nach Hannoversch-Münden, die zugleich die Belohnung für die im zurückliegenden Schuljahr 1923 geleistete Arbeit darstellen sollte. Im weiteren Verlauf des Jahres sorgten allmonatlich am ersten Mittwoch stattfindende, zwanglose Zusammenkünfte in der Schule für die Weckung des Verständnisses für die wichtigen und hohen Liele des V.D. A. Die Mitgliederzahl belief sich auf rund 100 Schüler. Außer dem vorgeschriebenen Beitrag konnten wir eine kleine Spende von 20 Mk. für die Weihnachtsbescherung des Kinderheimes in Krossen zur Verfügung stellen. Die Sammlung für das Lehrerseminar in Temesvar, die im Anschluß an den begeistert aufgenommenen Werbevortrag von Dr. Bell am 11. II. 25 veranstaltet werden durfte, ergab immerhin die stattliche Summe von 450 Mk., die der Kasse des V. D. A. zugeführt wurden.

Ueber unsere Schülerfahrt zur Tagung des Vereins für das Deutschtum

im Ausland in Hann.-Münden berichtet Stud.-Ass. Dr. L. Gerber.

Die-Welt, die fremde, lohnt mit Kränkung, Was sich, umwerbend, ihr gesellt: Das Haus, die Heimat, die Beschränkung, Die sind das Glüd und sind die Welt. Welch wehe Gedanken müssen diese Worte Fontanes in denen auslösen, die, durch die Not gezwungen

oder ihrem Berufe folgend, Heimat und Haus verließen oder verloren und unter fremden Menschen, fremder Regierung ihr Leben vollenden! Von 100 Millionen Menschen deutscher Zunge wohnen nur 60 Millionen innerhalb der Grenzpfähle des deutschen Vaterlandes, und von den restlichen 40 Millionen steht der größte Teil in fremden Landen in hartem Kampfe um ihr Deutschtum. Aber sie alle haben ihr deutsches Denken nicht verlernt. In der Zeit der wirtschaftlichen Not hat so mancher hier in der Heimat aus der Ferne den materiellen Beweis dafür erhalten. Heute erlaubt uns nun die Stabiliät unserer Währung wieder, bei Ausdauer und Opferfreudigkeit praktische Leistungen für die Auslandsdeutschen zu übernehmen, durch die vor allem die deutschen Schulen im Auslande unterstützt und erhalten werden. Der Verein, der sich zur Verwirklichung dieser Hilfeleistung gebildet hat und der seit Jahrzehnten die Verbindung mit den von uns getrennten Brüdern pflegt, ist der Verein für das Deutschtum im Auslande(V. D. A.), der jährlich eine Tagung abhält, auf denen mit den Vertretern der außerdeutschen Siedelungen beraten wird, wie wir die Wechselbeziehungen noch stärken und ausbauen können. Die diesjährige Tagung fand vom 11. bis 15. Juni in Hann.-Münden statt. Die Schulgruppe des V. D. A. an der Selektenschule nahm an ihr mit zwei Lehrern und 18 Schülern teil.

Mit frohem Mut und hochgespannten Erwartungen bestiegen wir am 12. Juni den Zug, der uns ins herr- liche Werratal entführen sollte, nach Münden, wo durch den Zusammenfluß von Werra und Fulda die Weser, deutsch von der Ouelle bis zum Meere, entsteht. Eine typische deutsche Mittelgebirgslandschaft mit ihrer Lieblichkeit umgibt uns. Wohin man schaut, sanfte flohen mit prachtvollen Wäldern, alte Städtchen mit prächtigen alten Bauten und dazwischen die ruhig dahinströmende Weser.

Und nun denke man sich in diese wundervolle Welt 4000 Jungens und Mädels losgelassen! In den Straßen des gastlichen und festlich geschmückten Mündens und auf allen Wegen der nächstliegenden Wäl- der wimmelte es vier Tage lang wie in einem aufgestörten Ameisenhaufen. Dabei stieß sich der in der Mehrzahl vertretene Hannoveraner ständig an spitze Steine; der Königsberger liess sein breites schnarren- des Organ ertönen; das muntere Necken der plattdütschen Jungens von der Waterkant; der Berliner