Aufsatz 
Beiträge zur Geschichte des Regensburger Reichstages vom Jahre 1541
Entstehung
Einzelbild herunterladen

14

Aus den bisherigen Verhandlungen hatte sich für ihn das eine klar ergeben, daß bei einer direkten Unterhandlung zwischen ihm und seinen Gegnern die Angelegenheit nicht von der Stelle kam; nicht minder klar ergab sich aber infolge des Mißlingens der religiösen Einigung für ihn die bittre Notwendigkeit, in dem jetzigen Zeitpunkte, wo die drohende Türkengefahr die schnelle Erledigung der Hilfe erheischte, wo die katholischen Städte sich möglicherweise den Protestanten anschlossen, wo endlich die Erbitterung unter den gesamten Ständen infolge der letzten religiösen Verhandlungen auf das höchste gestiegen war, Seinerseits alles zu tun, um wenigstens einen Erfolg aut diesem Reichstage zu erzielen. So entschloß er sich, den Protestanten einen Schritt entgegenzukommen und sich bei der weiteren Unterhandlung der Vermittlung des Kurfürsten von Brandenburg, den er in derselben Rolle eben erst in der religiösen Frage gebraucht hatte, zu bedienen. Noch an demselben 5. Juli, an dem er die ablehnende Antwort der Katholiken über das Regensburger Buch erhielt, erschien in seinem Auftrage der Kurfürst bei dem Markgrafen Georg von Brandenburg und teilte diesem im Beisein anderer Protestanten einen neuen Vorschlag Karls mit. Da die Zeit zu kurz sei, um hier die protestantischen Forderungen endgültig erledigen zu können, so erklärte er sich bereit, gegen Leistung der eilenden Hilfe in 6 Monaten für Erledigung ihrer Wünsche Sorgen tragen zu wollen; inzwischen solle der bisherige Anstand verlängert werden, und alle Achtserklärungen und Prozesse des Kammergerichts suspendiert sein. Es war also eine Vertagung der Wünsche der Protestanten, aber auch diese konnten sich jetzt der Einsicht nicht länger verschließen, daß die Türkennot eine vorläufige Zurückstellung ihrer Sonder- wünsche dringend fordere. Klar kam diese für Karl günstige Stimmung schon in der Beratung der Protestanten vom 6. Juli zum Ausdruck, wo bereits die Mehrheit zur Erfüllung von Karls Vorschlag bereit war, und obwohl man schließlich infolge des Widerspruches einiger Stände, unter denen sich auch die Frankfurter Gesandten befanden, Hessens Antrag, schon jetzt die eilende Hilfe zu bewilligen, vorläufig noch ablehnte, So zeigte doch deutlich ihr weiterer Beschluß, wie sehr sich die Lage zu Gunsten Karls geändert hatte; man einigte sich dahin, von Karl nähere Auskunft zu erbitten, wie der Friede beschaffen sein und auf welche Weise er für seine Innehaltung sorgen wolle. Als Karl aber am 8. Juli durch den Brandenburger seine Bitte erneuern ließ., kam es am folgenden Tage zu einem Majoritäts- beschluß der Protestanten, dem Kaiser die eilende Hilfe zu bewilligen, und wenn auch die Protestanten in ihrer Antwort an den Kurfürsten vom gleichen Tage betonten, daß sie eine endgültige Entscheidung ohne Zustimmung ihrer Herren nicht zu geben vermöchten, wenn sie ebenso von dem Kaiser eine feste Zusage verlangten, daß der Friede auch wirklich gehalten und das Kammergericht auch wirklich mit seinen Prozessen gegen sie Stille stehen werde, So erklärten sie doch wieder selbst, daß diesHintersichbringen die weiteren Ver- handlungen nicht aufhalten solle; sie seien vielmehr bereit, mit den andern Ständen über die eilende Hilfe in nähere Beratungen zu treten. Für die Schmalkaldner bedeutete diese Antwort ein Zurückweichen von ihren früheren Forderungen und für den Kaiser dem- entsprechend einen Erfolg; war es ihm doch gelungen, seine Gegner aus ihrer ablehnenden Haltung herauszubringen und sie zur positiven Mitarbeit zu bewegen. Fragen wir noch, was die Protestanten zu dieser Nachgibigkeit veranlaßt hat, So war es, wie schon erwähnt, in erster Linie die Notlage des Reiches, der gegenüber auch sie sich nicht versagen zu dürfen glaubten; wußte man doch bereits in Regensburg, daß der Türke, der am 20. Juni von Nonstantinopel mit einem großen Heere aufgebrochen war, im Anmarsch auf Ofen und hierdurch zu befürchten sei, daß Ferdinand die Belagerung aufheben muüsse. Dazu