Aufsatz 
Aristophanes und Aristoteles oder über ein angebliches Privilegium der alten attischen Komödie
Entstehung
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Aristoyihanes untl Aristuteles

oder

über ein angebliches Privilegium der alten attiſchen Komödie.

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n den Prolegomena zum Homer hat F. A. Wolf gelegentlich*) darauf hingewieſen, wie ſpät doch die Hellenen in der Poeſie dazu gelangt ſeien, Kunſtwerke von einheitlicher, gleichmäßig durchgearbeiteter Form herzuſtellen. Es war wohl in einer Stunde des Zweifels an der Stichhaltigkeit ſeiner kritiſchen Forſchungen, wo Wolf von ſeinem homeriſchen Arbeits⸗ felde aus über ſämmtliche noch vorhandenen griechiſchen Dichterwerke Umſchau hielt und dabei zu dem Ergebniß kam, daß ähnlich wie dem Homer auch den übrigen griechiſchen Dichtungen eine eigenthümliche Mangelhaftigkeit der Geſammtcompoſition anhafte. Dieſe Wahrnehmung, ein beredtes Zeugniß von dem umfaſſenden Scharfblick des genialen Kritikers, der uns zuerſt den Homerzerriß, blieb, wie ſo manche andere ſeiner leicht hingeworfenen Ideen ohne ſonder⸗ liche Beachtung**), obwohl ſie von der größten Tragweite war und ſich vortrefflich dazu eignete,

*) Ed, I. p. CXXV. n. 91. Omnino vero utilissimum esset, undecunque collecta unum in locum habere, quae in libris veterum vel praecepta de aret poëtica, vel iudicia de poëtis suis sparsim le- guntur. Docerent ea, ni fallor, cum optimis, quae exstant, carminibus comparata, quam sero Graeci in poesi didicerint totum ponere, ac ne Horatium quidem, qui illud praecipit, eius praecepti eosdem fines ac nostros philosophos constituisse. Erunt haec praecipue ei disquirenda, qui dramata Graecorum ad antiquae artis leges exigere volet.

**) L. Diſſen hat in der Anz. v. W. Müller'sHomeriſcher Vorſchule in den Götting. Anz. 1827 St. 3. 4(kl. lat. u. deutſche Schriften, Göttingen 1839, S. 328) freilich behauptet: jenen Satz von W. kann heut zu Tage unmöglich unterſchreiben, wer genauer zugeſehen; allein die Begründung dieſes Wider⸗ ſpruchs gegen W. iſt augenſcheinlich eine ſehr nichtige, wenn D. hierbei auf die verlorenen Gedichte des epiſchen Cyelus, auf die Lyriker und au Ariſtophanes!] hinweiſt.