Aufsatz 
Zum vierhundertjährigen Geburtstage Philipps des Großmütigen : Rede, gehalten am Königlichen Gymnasium zu Rinteln am 12. November 1904 / von ... Braunhof
Entstehung
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Das Winterhalbjahr wurde am 11. Oktober 1904 mit einer gemeinsamen Andacht eröffnet und begann mit der Vertretung des schon seit längerer Zeit kränk- lichen und schon während des letzten Vierteljahres beurlaubten, erkrankten Professors Dr. Hartmann. Das Kgl. Provinzial-Schulkollegium beauftragte mit seiner Vertretung den Seminarkandidaten Dr. Lischner*) aus Frankfurt, der am 31. Oktober seinen Unterricht übernanm. Zunehmende Krankheit veranlaßte dann den Professor Dr. Hartmann in Göttingen bei einem Spezialisten Hülfe zu suchen. Nach einer Operation starb er dort am 23. Dezember 1904. Durch die Lauterkeit seines Charakters und sein stets freundliches Wesen, durch sein reiches Wissen, seine pädagogische Tüchtigkeit und durch die peinlichste Pflichttreue hat er sich in einer fast 30 jährigen Tätigkeit an unserem Gymnasium die Liebe und Hochachtung seiner Kollegen und zahlreichen Schüler, die seiner Leiche am 26. Dezember das letzte Geleite gaben, in reichem Maße erworben. Die Schule wird dieses hochverdienten Lehrers stets mit aufrichtiger Dankbarkeit gedenken.

Durch einen diesmal auch den Angehörigen der Schüler zugänglichen und sehr gut besuchten öffentlichen Schulakt beging die Schule am 31. Oktober in sonst herkömm- licher Weise das Reformationsfest und zugleich ihren Stiftungstag(31. 10. 1817). Hierbei gaben Schüler aus allen Klassen durch den Vortrag von Gedichten und prosaischen Aufsätzen ein Bild von Luthers Wirken vom Jahre 1532 an bis zu seinem Tode 1546. Gesänge des Schülerchors und gemeinsamer Choralgesang gaben dem Feste eine besondere Weihe. Im Anschluss daran fand die übliche gemeinschaftliche Abend- mahlsfeier der evangelischen Lehrer und Schüler der Anstalt Sonntag den 5. November in der lutherischen Kirche statt.

Am 9. November gab der Schülerorchesterverein unter Leitung eines Ober- primaners ein selbständig vorbereitetes, gut besuchtes Konzert und brachte darin eine Anzahl Kompositionen von Schubert und Wagner unter reichem Beifall der Zuhörer zur Aufführung.

Am 12. November fand eine öffentliche, sehr gut besuchte Schulfeier zur Er innerung der 400. Wiederkehr des Geburtstages des Landgrafen Philipp des Großmütigen von Hessen statt. Schüler veranschaulichten durch den Vortrag von Gedichten und besonders von Scenen aus Fr. Trellers Volksbühnenspiel:Philipp der Großmütige die wichtigsten Begebenheiten aus dem Leben des größten Hessenfürsten, Wwährend der Metropolitan Braunhof die Festrede hielt.

Am 15. Dezember trug Frau Julia Behre aus Wernigerode eine Anzahl deutscher Dichtungen(Monologe aus Goethes Iphig., Schillers Jungfrau von Orl., Shakespeares Wintermärchen u. a.) vor der versammelten Schülergemeinde meisterhaft vor.

*) Erich Lischner, geb. 20. 7. 1879 zu Falkenburg in Pommern, ev., besuchte von Ostern 1892 bis 18990 das Gymnasium zum Kloster Unser lieben Frauen zu Magdeburg, studierte auf den Universitäten zu Berlin und Greifswald Mathematik und Naturwissenschaften und promovierte am 29. 5. 1903 mit einer Disser- tation:Uber die elliptische Polarisation des Lichtes bei der Reflexion an Lösungen anomal dispergierender Substanzen. Am 12. 12. 1903 bestand er mit Auszeichnung die Staatsprüfung. Bis Ostern 1004 vertrat er einen erkrankten Oberlehrer am Marienstiftsgymnasium zu Stettin und trat dann in das pädagogische Seminar an der Klinger-Oberrealschule zu Frankfurt a./ M.