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Nach überstandener Prüfung nahm ich eine Hauslehrerstelle in der Mark an, gab diese aber bald wieder auf, um den schwer erkrankten Vater zu warten und zu pflegen. Doch dieser war bereits den Tag vor nieiner Ankunft entschlafen. Ich begab mich daher nach ei- niger Zeit mit einem älteren Bruder, H. Rühn, der früher Kaufmann war, von gleichem Drange beseelt, in die Missionsanstalt zu Berlin, um der Sache Christi auf diesem Felde zu dienen. Glaubensdifferenzen waren es, die mich bewogen, aus dieser Anstalt wieder auszu- treten. Seitdem bekleidete ich anderthalb Jahre lang wiederum eine Hauslehrerstelle im Baierischen, und wurde endlich mit Beginn dieses Jahres von Hochfürstl. Regierung als Un- terhülfslehrer provisorisch auf ein Jahr am hiesigen Gymnasium angestellt.
Der Herr aber wolle meine Arbeit segnen!“
Wir hoffen das mit ihm um so zuversichtlicher, da Herr KRühn bei der christlichen Ge- sinnung, die ihn erfüllt, die Gaben in sich vereinigt, welche ein segensreiches Wirken als Lehrer verbürgen, da er gediegene, gründliche Kenntnisse neben Gewandiheit im Unterricht besitzt und sich ganz und ungetheilt dem Berufe eines Lehrers und Erziehers widmet.
Leider hatten wir in diesem Schuljahre den Verlust eines fleissigen und gut gearteten Schülers zu beklagen. Rud. Wagner, Sohn eines Lehrers an der hiesigen MEdchenschute, starb am 12. Juni an der Schwindsucht, und wurde den 15. Juni unter Begleitung der Leh- rer und Schüler zur letzten Ruhestätte gebracht.
Am 23. Juli wurde eine Redeübung gehalten, in welcher 25 Schüler eigene und fremde Arbeiten, in Prosa und Versen, vortrugen. Der Nachmittag vereinigte Lehrer und Schüler zu einem gemeinschaftlichen Spaziergang auf die Eremitage, wo die zwei unteren Classen ein Vogelschiessen hielten.
Am 24. September feierten wir den erfreulichen Geburtstag Serenissimi durch einen Re- deactus, bei welchem der Primaner Seyffert eine selbstgefertigte Rede über Kreon's Worte in Sophocl. Antigone(vs. 672.) hielt:„Der Uebel grösstes ist die Zügellosigkeit— Bewahrt Gehorsam tausend Leben vor Gefahr.“
Am 18. October veranstalteten wir eine Redeübung zum Andenken an die Schlacht bei Leipzig. Achtzehn Schüler hielten Vorträge und liessen mit Anbruch der Nacht ein October- feuer auf der Höhe eines nahen Berges auflodern, wobei Vaterlänclische Lieder gesungen und von einem Primaner eine Rede gehalten wurde.
Von Stipendien wurden der Vorsehrift gemäss unter die Schüler vertheilt: I. das Legat der Gräfin Catharina von Nassau: 56 Thlr. 15 Sgr. 3 Pf.— II. das Baumgarten'sche Legat: 7 Thlr. 18 Sgr. 6 Pf.— III. das Andreas-Gerhard'sche Legat: 4 Thlr. 2 Sgr. 7 Pf.— IV. das Robst'sche Legat: 44 Thlr.— V. das v. Bech'sche Legat: 48 Thlr. Zusammen: 160 Thlr. 6 Sgr. 4 Pf.
Gedächtnissreden.
Am 14. Juni hält Herr Collaborator Hallensleben die Eichling-Sauer'sche Gedächtnissrede: „Ueber die Verdienste des Amos Comenius um das deutsche Schulwesen.“
Am 13. September spricht Herr Hülfslehrer Walther zum Andenken an den Durchl. Prin- zen Wilhelm:„Ueber die Wichtigkeit der Turnübungen für die Bildung der Jugend.“


