Aufsatz 
Proben aus dem Handbuche der französischen Sprache und Literatur / vom Prof. Dr. Braunhard
Entstehung
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Zu bedauern ist, dass der College, der den siebenten Abschnitt übernommen, Proben einzusenden Anstand genommen hat; wir müssen dies insofern dahin gestellt seyn lassen, als sich dafür kein anderer Grund, als Mangel an Manuscript, anführen lässt.

Ich will indessen in aller Kürze angeben, in welcher Weise der siebente Abschnitt be- arbeitet werden wird. Um dem besten Compendium der französischen Literaturgeschichte auf dem deutschen Gymnasium die grösste Verbreitung zu verschaffen, soll das beste Com- pendium derselben im gedrängten Auszuge, mit Proben der anerkannt besten Meister der Nationalliteratur versehen, mitgetheilt werden, und wir stimmen in gedachter Beziehung für das von A. Peschier,* Professor an der Universität zu Tübingen, bearbeitete.

Ich komme nun auf den Prospectus selbst zurick, den ich der Vollständigkeit we gen mittheile:

Nicht allein das Staatsleben, sondern auch der wissenschaftliche Unterricht hat eine andere Gestalt erhalten in Folge der Revolution, welche sich in Bezug auf die Pflanzstätte der Wissenschaft, das Gymnasium, als sehr heil- same Reform zu bewähren begonnen hat. Das alte Gymnasium hat in seiner alten Form zu seyn aufgehört, d. h. auf Kosten der neueren Sprachen werden die alten nicht ferner gelehrt; die neueren Sprachen sind zu Ehre und An- sehen, zu ihrem guten Rechte gelangt. Diese Reform macht in Bezug auf die französische Sprache das Bedürfniss eines Lesebuches für alle Classen des modernen Gymnasiums fühlbar, indem die besten vorhandenen Lesebücher, z. B. die von Mager, Conr. von Orelli u. A. besorgten, theils bald mehr, bald weniger den Zwecken des Real- gymnasiums und der höheren Bürgerschule entsprechen, theils aus so vielen Theilen und einzelnen Abtheilungen be- stehen, dass die Anschaffung derselben dem Unbemittelten schwer fällt, wo nicht unmöglich wird. Ohne nun den re- lativen Werth dieser und ähnlicher Lesebücher irgend in Frage stellen zu wollen, gewähren sie doch alle nicht die Vortheile eines für sämmtliche Classen des Gymnasiums, deren wir je nach der getroffenen Einrichtung 5 7 anneh- men, in denen Französisch gelehrt wird, berechneten Lesebuchs in einem Bande zu möxglichst billigem Preise. Die meisten vorhandenen Sachen der Art, z. B. das Handbuch der französischen Sprache und Literatur von Menzel (Breslau bei Gosohorsky) sind dergestalt incorrect, dass sie schon aus diesem Grunde in die Hände der Schüler nicht kommen dürften: und doch haben dergleichen incorrecte, höchst mangelhafte Sachen mehrere Auflagen erlebt, ohne wesentliche Berichtigung und Verbesserung. Diese Incorrectheit lastet mehr oder weniger auf allen in Deutschland gedruckten französischen Büchern, worüber mit Recht schon im Jahr 1846 der Prof. Barbieux am Herzogl. Gym- nasium zu Hadamar(vgl. Mager's pädagog. Revue, April und Mai 1846) Beschwerde führt. Je fühlbarer daher der Mangel eines für alle Classen des Gymnasiums methodisch ausgearbeiteten, vHMflernedele Correchheit bewei- senden Lese- oder Handbuches der franz. Sprache und Literatur ist, um so erfreulicher und willkommener war dem Unterzeichneten die Ansicht des Herrn Prof. Dietsch in Grimma, der in dieser Beziehung sich entschieden für die Besorgung und Bearbeitung eines solchen in der bezeichneten Weise gegen den Unterzeichneten aussprach. Zu die- sem Behufe hat der Unterzeichnete das Gutachten namhafter Gelehrten eingeholt, welche sich sämmtlich mit dem Plane, der weiter unten näher dargelegt werden soll, einverstanden erklärt und insofern ihre Mitwirkung bei der Her- ausgabe des Buches dem Unterzeichneten zugesagt haben, als sie über die zu treffende Wahl der Lesestücke ihr Urtheil insbesondere vorher abgeben, ohne damit der Redaction des Unterzeichneten vorgreifen zu wollen. Rühmend muss hierbei erwähnt werden, dass die Gelehrten, die dem Unterzeichneten in gedachter Weise ihre Mitwirkung zu- sagten, auf jedes Honorar verzichtet haben, indem Unterzeichneter sich dazu gleichfalls entschlossen hat, um dem Publikum thatsächlich zu beweisen, dass a27cIat s. g. Speculation oder Gewinnsucht die Triebfeder oder der Hebel dieses Unternehmens ist, welches sein Entstehen einzig und allein dem Wunsche verdankt, zur Verbreitung wahr- hhaft nationaler Bildung nach Kräften beizutragen.

Das von uns beabsichtigte Handbuch der französischen Sprache und Literatur für alle Classen des Gymnasiums, mit den verschiedenen Bildungsstufen entsprechenden sprachlichen und sachlichen Erklärungen versehen, in einem Bande, zerfällt in 7 an Bogenzahl nicht gleiche Abschnitte.

I. Efterdes dlénenftaires.

Der erste Abschnitt entspricht der untersten Bildungsstufe und enthält Behufs der Uebung im Ausspre- chen und Lesen, sowie der ersten Anfänge in Vorbereitung, im Verständniss der Sätze und in Einübung der Ele-

* Cours de Litérature française par A. Peschier. Stouttgart et Tubingue, librairie de J. G. Cotta. 1839.( Thle.)