Aufsatz 
Der hercynische Wald der Alten / [von Joseph Braun, Rector]
Entstehung
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silva des Tacitus die Gebirgszüge des mittlern Deutſchlands zu umfaſſen, welche heute zu Tage die Namen des Fichtelgebirges und des Böhmer und Thü⸗ ringer Waldes fübren.

L. Annäus Florus, der wahrſcheinlich im Anfange des 2. Jahrhunderts lebte, läßt den Jul. Cäſar bei ſeinem erſten Uebergange über den Rhein die Feinde in den hereyniſchen Wäldern aufſuchen; aber ſie haben ſich, nachdem ſie nach allen Seiten entflohen, in die Wälder und Sümpfe verſteckt). Dieſe Feinde waren bekanntlich die Chatten bei Cäſar'n Sueven genannt welche den Ubiern hart zuſetzten, und außer dieſen die Sigambrer. Cüſar fiel zuerſt in das Gebiet der Letzteren ein und begab ſich von da in das Land der Übier. Wenn nun die Sigambrer an der Sieg und von hier aus weiter nach Nordweſten, die Ubier aber längs des Rheins vom Weſterwalde an nach Südoſten bis zur Ebene des Mains wohnten); ſo würden wir, geſtützt auf den obengenannten Geſchichtſchreiber, den hercyniſchen Wald ganz in unſerer Nähe, nämlich im Naſ⸗ ſauiſchen und dem benachbarten Preußiſchen zu ſuchen haben.

Claudius Ptolemäus, ausgezeichnet als Aſtronom und Geograph, blü⸗ hete um die Mitte des 2. Jahrhunderts unter der Regierung des Antonius Pius und Marcus Aurelius und ſchriebEG‿ꝶνρρ τσσοιε(Unterricht in der Erdkunde) in 8 Büchern. Er hat unter den alten Geographen und Hiſto⸗ rikern Germanien unſtreitig am Beſten gekannt; doch, da er häufig nur Namen gibt, ſo laſſen ſeine Angaben nicht ſelten den Hypotheſen ein gar weites Feld. Er beſtimmt als Germaniens Grenzen ²¹) gegen Norden den deutſchen Ocean, gegen Weſten den Rhein, gegen Süden die Donau und gegen Oſten die ſarmatiſchen Gebirge**) und die Viſtula(Weichſel). Dieſe ſarmatiſchen Berge erheben ſich nach Ptolemäus bei der nordöſtlichen Biegung der Donau, und ſo unterliegt es keinem Zweifel, daß hier der weſtliche Theil der Karpathen(die ſogenannten kleinen Karpathen) gemeint iſt, welche auch noch heute zu Tage und auf dieſer Strecke die Grenze unſeres Vaterlandes gegen Ungarn bilden. Das eigentliche oder Hoch⸗

89) Florus, III, 10. Jterum de Germano Tencteri querebantur. Hic vero jam Caesar ultro Mosulam navali ponte transgreditur, ipsumque Rhenum, et Hercyniis hostem zuaerit in silvis; sed in saltus et paludes genus omne diffugerat.

90) enk, II. S. 11. und 13. Barth, L.§. 225.

91) Geogr. II, 11, Ptolemäus ſcheint unter dem Namen des germaniſchen Oceans nicht allein die Nord-, ſondern auch die Oſtſee zu begreifen, indem er Skandien (Schweden und Norwegen) nicht zu Germanien, ſondern zu den Inſeln hinter Ger⸗ manien rechnet. 4

92) Solinus, 23. Bei Cluver, 712. Extenditur(Germania) inter Rhenum, Hercy- nium saltum et rupes Sarmatarum, ubi incipit, Danubio ubi desinit, oceano profunditur.