Aufsatz 
Festschrift zur Jubiläums-Feier des 50jährigen Bestehens der Unterrichtsanstalten der Israelitischen Religionsgesellschaft zu Frankfurt a.M. 1903
Entstehung
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8.

Einer Täuschung müssen wir jedoch am Schlusse noch entgegentreten. Der namenlose Schatten geriert sich, als vertrete er in seinen Ausse- rungen die Majorität der hiesigen Gemeinde. Das verneinen wir ent- schieden und laut. So tief ist die brüderliche Liebe noch nicht zum Schatten geworden, so ganz nicht die Pietät für das väterliche Heilig- tum geschwunden. Wir wissen sehr wohl die grosse Gesamtheit der Gemeinde von denen zu unterscheiden, die sich so laut als Vertreter der Majoritätsgesinnung benehmen. Wir sind überzeugt, selbst die- jenigen, die unserer Richtung am fernsten stehen, perhorrescieren den Anonymus und sein Blatt und seine ganze Expectoration, sind über- zeugt, wenn eben die Majorität, die zu vertreten der Anonymus vorgibt, sich aussprechen könnte, sie würde nur ein Wort der Liebe und der brüderlichen Anerkennung für ein Streben haben, das kein anderes Ziel kennt, als das Heiligtum in seinem Lichte und seiner Wahrheit wieder aufzubauen und zu erhalten, für das ja auch ihre Väter freudig gelebt und gestorben

Von den sechs Klassen, die der Lehrplan ins Auge fasste, traten vorläufig vier ins Leben(VIIV), die zwei untersten mit einjährigem, IV und III mit zweijährigem Kursus; die Tren- nung der Geschlechter begann erst in der dritten Klasse.

Nach Ablauf eines Jahres trat an die Schule die Pflicht heran, öffentlich Kechenschaft überihre Leistungen abzulegen. Sie hielt ihre erste öffentliche Prüfung ab, die einen solchen Erfolg erzielte, dass nicht nur der Vorstand der Religionsgesellschaft sich be- wogen sah, den Schulrat zu ersuchen, den Lehrern seinen Dank für ihre wohlverdienten Leistungen zu übermitteln, was auch durch eine sehr schmeichelhafte Zuschrift an diese geschah, sondern dass auch bisherige Gegner sich anerkennend über die Leistungen aussprachen. Man konnte von da ab einige Jahre nacheinander einen durch Fachkenntnis und Gelehrsamkeit hervorragenden Gegner des Prinzips, das die Schule vertrat, als aufmerksam zu- hörenden Gast bei den Prüfungen der Schule bemerken.

Wir schalten hier eine kurze Darstellung der Art und Weise jener öffentlichen Prüfungen ein.

Diese Prüfungen nahmen viel Zeit in Anspruch, sie dauerten in allen Schulen Frankfurts eine ganze Woche. Sie sollten dem Publikum, besonders den Eltern, Rechenschaft über