Prolegomena zu Schillers Dramen.
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„Schiller iſt der Dichter der Freiheit“, mit dieſem Schlagworte glaubt man die Eigenthümlichkeit von Schillers Geiſtesrichtung in der Kürze hinlänglich kennzeichnen zu können. Und zwar iſt dies nicht blos die landläufige Anſicht aller Derer, die ſich aus Schillers Werken überhaupt nur einige Schlag⸗ wörter, wie„Männerſtolz vor Königsthronen!“ und dergleichen gemerkt und bei Feſtmahlen, Volks⸗ verſammlungen und Schillerfeſten mit Emphaſe haben vortragen hören; auch Diejenigen, welche gründlichere äſthetiſche Studien gemacht haben, ſind, beſonders durch Hinrichs' aprioriſche Conſtruction des Schiller'ſchen Genius, zu dieſer einſeitigen und darum nur halbwahren Anſicht von dem Weſen der Schiller'ſchen Weltanſchauung und beſonders ſeiner dramatiſchen Poeſie verleitet worden. Dazu kommt nun noch, daß ſein„Tell“, das letzte und gefeiertſte ſeiner dramatiſchen Kunſtwerke, allerdings zugleich der gewaltigſte Freiheitshymnus iſt, der je aus einer Dichterbruſt drang. Der Zauber dieſer herrlichen Dichtung, die zugleich des Dichters Schwanengeſang war, riß die Herzen des ganzen deutſchen Volkes, der Gebildeten wie der Laien, mit ſich fort, und die Worte des ſterbenden Attinghauſen:
„Es hebt die Freiheit ſiegend ihre Fahne“, die ſich in den Befreiungskriegen in hellen Schwerterklang umſetzten, ſchienen nun das Vermächtniß des in der Blüthe der Manneskraft und der geiſtigen Thätigkeit dahingeſchiedenen Dichters an ſein bedrängtes Volk zu bedeuten. Es iſt daher begreiflich, daß ein Philoſoph von Fach, der die ganze Welt nach Hegel'ſcher Methode a priori conſtruirte, in dieſer Dichtung den Angelpunkt der Schiller'ſchen Poeſie gefunden zu haben vermeinte und von hier aus rückwärts conſtruirend bis zu den„Räubern“ ſämmtliche dramatiſchen Dichtungen Schiller's in dieſem Rahmen der allmälichen Entwickelung der Freiheitsidee umſpannen zu können dachte, wie wir, bisweilen nicht ohne ungläubige Verwunderung, in Hinrichs’ Buche„Schiller's Dichtungen nach ihren hiſtoriſchen Beziehungen und in ihrem inneren Zuſammenhange“ Leipzig 1839, zu leſen bekommen. Hinrichs verſteigt ſich ſogar zu folgender Schlußbehauptung:(III., S. 313 f.)„Im Wilhelm Tell nimmt der Kampf um die Freiheit ein Ende, denn das Ziel der Wirklichkeit des Geiſtes und der Freiheit iſt erreicht. Damit hat die Schiller'ſche Poeſie ihren Schlußpunkt gewonnen. Ihr Pathos, die Verwirklichung der Freiheit in allen Geſtalten des Lebens hat ſich allſeitig herausgeboren, als ſubjective, perſönliche Freiheit, als objective, politiſche der Staaten und Völker, als die abſolute Freiheit der Welt ſelbſt, als Glaubens⸗, Denk⸗ und Gewiſſensfreiheit. Der Kampf und Sieg iſt vollbracht und der Genuß der Freiheit im 1*


