Aufsatz 
Die alten Drucke der Gymnasialbibliothek
Entstehung
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Am 1. September fand zur Vorfeier des Sedantages unter Leitung des Gymnasiallehrers Berlit eine dramatisch-musikalische Aufführung durch Schüler der oberen Klassen statt. Auf- geführt wurde Felix DahnsDeutsche Treue, und in Doppelchören unter Leitung des Gesang- lehrers Anacker wurde desselben Verfassers KaiserliedMacte Imperator vorgetragen.

Am 22. September nahm der Direktor Dr. G. F. Eysell, der für den Rest des Semesters beurlaubt war, von den in der Aula versammelten Lehrern und Schülern Abschiéd, nachdem ihm unter dem 26. Juni von des Kaisers und Königs Majestät die Pensionirung für den 1. Oktober auf sein Ansuchen unter allergnädigsterBezeigung der Zutfriedenheit mit seiner Amtsführung« bewilligt worden war. Während seiner ganzen 8 ½ jährigen Thätigkeit an unse- rer Anstalt war er eifrig bemüht, das Wol derselben zu fördern. Ein besonderes Verdienst um das Gymnasium hat er sich durch die Wiedererrichtung einer Quinta und Sexta erworben, durch welche die Lchranstalt erst wieder eine vollständige geworden ist. Den Uebergang aus dem hessischen in das preussische Unterrichtssystem hat er mit Milde und vieler Schonung der alten liebgewordenen Eigenthümlichkeiten durchgeführt. Ferner hat er durch Wort und Schrift erfolgreich dafür gewirkt, dass das 300 jährige Jubiläum des Gymnasiums auf würdige Weise gefeiert wurde. Die herrlichen Erfolge des Sieges von 1870/71 hat er in glanzvoller Rede freudig begrüsst und alles gethan, um wahre Vaterlandsliebe in den Herzen der Jugend zu entzünden und zu nähren. Den Lehrern zeigte er sich in Wort und That als wahrer Freund, so dass ihm ein freundliches Andenken in deren Herzen gesichert ist. Möge er sich noch lange der ehrenvollen Muse erfreuen!

Für die Zwischenzeit bis zum Amtsantritt des Unterzeichneten wurden dem Prorektor Prof. Meyer die Direktoratsgeschäfte übertragen.

Am 1. Oktober trat der Candidat des höh. Schulamts Bork aus, um als Einjährig-Frei- williger seiner Militärdienstpflicht zu genügen.

An demselben Tage wurde der durch Verfügung des Königl. Prov.-Schulkollegiums vom

1. Mai 1876 an Stelle des verstorbenen GL. Römheld ernannte Dr. Wachenfeld von dem

Prorektor Prof. Meyer in sein neues Amt eingeführt. Ueber seinen Lebensgang theilt derselde

Folgendes mit: Gustav Adolf Wachenfeld, am 11. April 1835 zu Cassel geboren, studirte 4

nnach vollendetem Gymnasialkursus in Marburg und Tübingen Theologie und Philologie. Im Dezember 1858 bestand er das theol. Facultätsexamen zu Marburg, im Januar 1859 das Ten- tamen zu Cassel, im Jan. 1860 das Pfarrer- und im Herbst 1860 das Rectorexamen daselbst. Nach kurzer Wirksamkeit an einer lateinischen Privatschule zu Cassel war er von August 1860 bis zum 30. September 1876 an der dortigen Realschule resp. höheren Bürgerschule thätig und bekleidete von Ostern 1860 bis Ostern 1867 zugleich die Stelle eines Hülfspredigers an der Oberneustädter Kirche. Im Sommer 1861 erhielt er von der Verwaltungscommission der Stipendiatenanstalt zu Marburg ein Reisestipendium zu einer theol. Studienreise nach Heidelberg und Basel. Den grössten Theil des Jahres 1863 und den Anfang des Jahres 1864 brachte er, um sich in der französischen Sprache weiter auszubilden, in der französischen Schweiz zu. Nach längeren archivalischen Studien in Marburg, Berlin, Dresden und Weimar promovirte er im Dezember 1872 auf Grund einer historischen Abhandlungüber die politischen Beziehungen zwischen Brandenburg und Hessen-Cassel bis zum Augsburger Religionsfrieden.* Im Dezember 1875 bestand er in Bonn das Examen pro facultate, worauf er durch Beschluss

Königlichen Provinzial-Schulkollegiums zu Cassel im Herbst 1876 an das Königliche Gymna- V

sium zu Hersfeld versetzt wurde. Am 7. October übernahm der Unterzeichnete einstweilen die Direktoratsgeschäfte; am

23. dess. M. wurde er durch den Königl. Kommissar, Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Rumpel,