Aufsatz 
Die Lehre und Verfassung der morgenländischen Kirche / von Thomas Bormann
Entstehung
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9 von Dorolheos und Arsenius, den Bischöfen von Monembasia und Elisson, Almosen sammelnd, 1588 in die heilige Mutterstadt Moskwa und ward von den rechtgläubigen Moskowitern und ihrem Batjuschka-Zaren mit grossen Ehren aufgenommen. Bei dem schwachen Zaren vermochte sein herrschgieriger Schwager Boris Godunow alles, und er war es, der die Anwesenheit des Byzantinischen Kirchenobersten benutzend diesen bestimmte für die Russische Kirche einen eigenen Patriarchen in der heiligen Zarenstoliza einzusetzen. Die feier- liche Einweihung geschah im Januar 1589. Nachdem Jeremias die feierliche Einsegnung während des Hoch- amtes auf dem Kreml vorgenommen, hieng der Zar dem neuen Patriarchen das Panagion an einer goldenen Kette um den Hals, warf ein kostbares Omophor über seine Schultern, setzte ihm die weisse Mitra mit dem Kreuz auf und begrüsste ihn als heiligsten Vater und Patriarcha wsserossüskawo(Patriarchen von ganz Russland) In der Bestätigungsurkunde der Errichtung des neuen Patriachenstuhles hiess es unter andern, dass das alte Rom durch die Apollinarische Ketzerei gefallen, das neue Rom in den Händen der gottlosen Moslimen sich beſinde, dass Moskwa das dritte Rom sei, dass anstatt des vom Geist der Afterweisheit verſinsterten Lügenfürsten der abendländischen Kirche der erste ökumenische Bischof der von Konstantinopel, der zweite der von Alexandrien, der dritte der von Moskwa, der vierte der von Antiochien und der fünfte der von Jerusalem sei. Jeremias und die Mönche seines Gefolges unterschrieben die Bestätigungsurkunde, allein die Bischöfe Dorotheos und Arsenius unterzeichneten nicht. Nach Konstantinopel zurückgekehrt hielt Jeremias eine nur von wenigen Bischöfen besuchte Synode 1593, die das Russische Patriarchat bestätigte; auch die drei andern Patriarchen erkannten es an. Es hatte eine 110jährige Dauer, und bis zu seinem Sturz sassen 11 Patriarchen auf dem oberhirtlichen Stuhle: Hiob 1589 1604, Ignatius 1604 1606, Hermogenes 1606 bis 1612, Philaret 1619 bis 1. October 1633(eigentlich Fiôdor Nikitütsch Romanow, vom falschen Dmitrei unter dem Namen Philaret 1605 zum Metropoliten von Rostow und später zum Patriarchen von Moskwa ernannt; er ist der Vater des Michailo Fiôdorowitsch Romanow, des ersten Zaren dieses Geschlechtes), Joasaph 1634 1642, Joseph I 1642 1652, Nikon 1652 1666, Joseph II 1667 1672, Pitirim(er ver- waltete sein Amt nur 10 Monate), Joachim 1774 1690, Hadrian 1690 1700. Das Patriarchat war aber für die Russische Kirche keine Zeit geistiger und sittlicher Erhebung; vielmehr nahm unter dem despoti- schen Regiment der Patriarchen die von den Griechen ererbte Hypokrisie und Aeusserlichkeit, die Unsitt- lichkeit und Unwissenheit, der Sektengeist und der fanatische Hass gegen die abendländische Kirche nur noch zu. Es kann daher nur als ein wohlverdientes göttliches Strafgericht angesehen werden, dass endlich dieses verdummte und verstockte Kirchenregiment vom Zaren beseitigt und mit dem weltlichen Regiment in Eins verschmolzen wurde. Freilich vertrug sich die Machtstellung des Patriarchen nicht gut mit der absoluten Gewalt des Russischen Autokraten. Der Patriarch war durch seine Würde und die Meinung des Volkes sehr hochgestellt; er hatte den Sitz neben dem Zaren, überreiches Einkommen, eine zahl- reiche glänzende Hofhaltung; er wurde in den wichtigsten Angelegenheiten des Reiches um Rath gefragt, und ohne ihn weder Krieg noch Friede beschlossen. Am allerwenigsten war Peter der Grosse der Mann, um nach dem Beispiele anderer Zare bei der feierlichen Procession am Palmsonntag den Esel, auf dem der Patriarch ritt, am Zaume zu führen und dem Patriarchen den Steigbügel zu halten. Am Neujahrstag pflegten sich Zar und Patriarch öffentlich zu küssen und zu umarmen; Peter hob 1699 diesen Gebrauch auf. Noch weniger wollte sich Peter irgend eine Einrede oder Vorstellung eines Patriarchen in weltlichen Angelegenheiten gefallen lassen, und als daher der letzte Patriarch Adrian 1698, da Peter Hunderte von Strelitzen grausam hinrichten liess und mit eigner Hand an 84 dieser Unglücklichen Henbersciens ver-