— 20—
Reich habe ich in Händen, aber noch keine Ordre. Die Messe hat vermuthlich den Druck verzögert. Nur Gedult, alles wird recht gehen.
Sultzern sah ich in Mitte Septembers halb todt in Bern; den 24. November schrieb er mir sehr munter von Toulon. Anitzt ist er in Nizza, und geht von da im Frühling weiter nach ltalien, so- dann durch die Schweitz— nach Berlin.
Ihre Mislage in Bückeburg fühle ich gantz und möchte vor Ungedult bersten!
Gestern, 10. Januar, hatte ich Briefe von Lavater, Göthe, und Wieland, unter des letztern Couyert.
Göthe schrieb auf der Frau von Stein Schreibtisch— Hier bin ich hertzlich wohl sagt er mir von Weimar.
Wieland schreibt an mich wie folget:„Was Gott zusammen- „gefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden. Göthe, Lavater, „Herder, warum sollten Sie nicht auch meine Freunde seyn? „Seit ich dies Kleeblatt kenne, sind sie meine Heiligen.
7 lch lebe nun 9 Wochen mit Göthen, und lebe, seit unsere „Seelenvereinigung so unvermerkt und ohne allen effort nach und „nach zu stande gekommen, gantz in Ihm. Er ist in allen Be- „trachtungen und von allen Seiten das grösste, beste, herrlichste „menschliche Wesen das Gott erschaffen hat.“
„Das sag ich meinem Zimmermann, weil er's beynahe mit „eben so innigem Vergnügen lesen wird, als womit ich's ihm „schreibe. Möcht ich's der gantzen Welt sagen dürfen! Möcht alle „Welt den liebenswürdigsten der Menschen so kennen, so durch- „Schauen, so lieben wie ich.
„Heute war eine Stunde wo ich ihn erst in seiner gantzen „Herrlichkeit— der gantzen schönen gefühlvollen reinen Mensch- „heit sah. Ausser mir, kniet ich neben ihm, drückte meine Seele
„an seine Brust, betete Gott an!“
* **
So eben werde ich von Herrn von Bremer zum Essen ge— beten, vermuthlich zur Unteredung wegen Ihnen. Westfeld soll da seyn.
Zugleich kömmt ein Billet von Frau von Löw, worinn ein Billet der Frau von Bremer an Sie, folgenden Inhalts. Herder a refusé tout net de se rendre à Cöttingen, et ne veut point s'assujettir à Pexamen. Mon mari a fait encore une proposition. Nous verrons s'il y a moyen encore de faire changer de senti- ment cet homme respectable. Frau von Löw setzt mit ihrer Hand


