Aufsatz 
Nur das Christentum führt zu wahrer Humanität / vom ... Ballerstedt
Entstehung
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ſandt haſt, und liebeſt ſie, gleichwie du mich liebeſt«(Joh. 17, 22. 23). Wahrlich, Jeſus Chriſtus iſt der Anſänger und Vollender unſeres Heils! Sein Leben iſt in Kraft vollkom⸗ mener Gottesliebe die reinſte Humanität, umfloſſen vom ſeligſten Frieden!

Ja, durch dieſen Jeſus Chriſtus hat uns Gott wiſſen laſſen das Geheimniß ſeines Willen und hat daſſelbe hervorgebracht durch ihn, daß es gepredigt würde, da die Zeit erfüllet war(Epheſ. 1, 9 u. 10): daß wir gleich ſein ſollten dem Ebenbilde ſeines Sohnes, auf daß derſelbe der Erſtgeborene ſei unter vielen Brüdern(Röm. 8, 29). Ein Reich des lebendigen Gottes ſollte dieſer Jeſus Chriſtus, der Heiland der Menſchen, in der Menſchenwelt gründen, und er hat es gegründet; ein Reich Gottes, an das und in dem alle Menſchen als ſolche ein gleiches Recht haben, und das al len ſeinen Gliedern als ſolchen die gleichen heiligen Pflichten auferlegt; ein Reich Gottes, in dem Gottes heiliger Geiſt ſelber das ganze innere und äußere Leben der Menſchheit immer mehr verklären und ſeiner ſelbſt und des Menſchen würdig machen will und wird. Ein Reich des lebendigen, perſönlichen Gottes, das die ganze Menſchenwelt umfaßt! Darin liegt Alles beſchloſſen und vollendet.

In dieſem Reiche Gottes, das Jeſus Chriſtus geſtiftet hat, iſt wirklich erfüllet, wonach die Juden⸗- und Heidenwelt ſuchte und rang. Gott ſoll völlig und unbedingt und allein herrſchen in der Menſchenwelt! Das war das Ideal, nach deſſen Verwirklichung Israel ſtrebte; und»Gott war in Chriſto und verſöhnete die Welt mit ſich ſelber, und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat un⸗ ter uns aufgerichtet das Wort von der Verſöhnung«(2 Corinth. 5, 19), das iſt der Kern der frohen Botſchaft, die an alle Glieder des durch Chriſtum geſtifteten Gottesreichs ergeht. Freie, höchſte, har⸗ moniſche Entwickelung aller Kräfte des Bürgers zu Gunſten und zur Verherrlichung ſeines Volks, das war das Ideal, nach deſſen Verwirklichung Griechenland und Rom ſtrebten; undder Herr iſt der Geiſt; wo aber der Geiſt des Herrn iſt, da iſt Freiheit. Nun aber ſpiegelt ſich in uns Allen des Herrn Klar⸗ heit mit aufgedecktem Angeſicht und wir werden verklärt in daſſelbe Bild, von einer Klarheit zur andern, als vom Herrn, der der Geiſt«(2 Corinth. 3, 17 u. 18), das iſt der Siegeshymnus, der ſich aus dem vollen Herzen eines jeden wahren Chriſten auf ſeine dankenden, betenden Lippen drängt. Beide, Ju⸗ den und Griechen haben nun in einem Geiſte»den Zugang zum Vater« und die Kraft, ihren Men ſchenberuf wahrhaft zu erfüllen(Epheſ. 4, 24). Alle ſind Bürger mit den Heiligen und Gottes Haus⸗ genoſſen, erbauet auf den Grund der Apoſtel und Propheten, da Jeſus Chriſtus der Eckſtein iſt, auf welchem der ganze Bau in einander gefüget, wächſet zu einem heiligen Tempel in dem Herrn(Epheſ. 2, 18 21).

Ein dreieiniger Gott iſt Herrſcher in dieſem Reiche, ein Gott, der das Leben, die Liebe, der Geiſt iſt; ein Gott, der die Welt aus Nichts ſchuf, d. h. der keinen Stoff neben ſich hat und daraus die Welt formt und harmoniſch ordnet, ſondern der dieſelbe durch ſeinen ſchöpferiſchen, freien Liebeswillen aus ſich ſelbſt hervorgehn läßt, ſo daß ſein unſichtbares Weſen, das iſt, ſeine ewige Kraft und Gottheit, wie die Schrift ſagt, überall in ſeinen Werken herrſcht und überall aus ſeinen Werken herausſchaut(Röm. 1, 20); und für den die Materie Nichts iſt, als die von ihm geſetzte Mög⸗ lichkeit der Beſonderung alles Geſchaffenen zu Einzelnem, das Mittel der Offen⸗ barung ſeines eigenen unergründlich reichen und herrlichen Lebens in unendlich vielen Selbſtſtändigkeiten, die von den unvollkommenſten bis hinauf zu den vollendetſten ihr Leben und ihr Geſetz in ihm finden. Ein Gott, der den Menſchen nach ſeinem Bilde, nach ſeinem innerſten Weſen, denn beides bedeutet das hier in der Schrift gebrauchte Wort, ſchuf, und ſich in innigſter Liebe und reinſtem Erbarmen völlig zu ihm herabläßt und in Chriſto ſeiner ganzen Fülle nach

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