Die Grrargene von Sorre Fdefonso.
J.
Em Meisterwerk alter plastischer Kunst, nicht minder durch seine Schönheit als durch die mannichfaltige, ihm gewordene Deutung berühmt, ist uns in der Gruppe erhalten, die von dem Orte ihrer früheren Aufbewahrung gemeinhin die Gruppe von San IIdefonso, auch Castor und Pollux, Schlaf und Tod(Hypnos und Thanatos) genannt wird. Früher eine Zierde der Gärten des Palastes Ludovisi in Rom, war sie mit der Sammlung Odescalchi, welche die Königin Christina von Schweden dort besass, nach Spanien gekommen, und hier im Antikensaale des königlichen Lustschlosses San IIdefonso, la Granga ge- nannt, später im königlichen Schlosse zu Madrid aufgestellt worden.
Zwei lebensgrosse ¹) Jünglinge erscheinen in dieser Gruppe, unbekleidet, das Haupt — gleich Siegern in den Festspielen— mit dem Lorbeerkranze umwunden, in der vollsten Frische der Jugend; auf den ersten Anblick möchte man sie für Brüder halten. Der zur Rechten, traulich den linken Arm auf die linke Schulter des Bruders lehnend, ruht mit der Wucht des Körpers auf dem rechten Bein, den linken Fuss hinter den rechten zurückge- zogen, in jener Stellung, deren sich— seit sie Polyklet in die Plastik eingeführt— fast alle besseren Meister bedienten, um in der siegreichen Bewältigung der Schwierigkeit jener sanftverzogenen Lage die Muskulatur des Körpers in grösserer Mannichfaltigkeit und reizen- der Fülle erscheinen zu lassen. Der schlanke Körper, der bei aufrechter Stellung den andern um einige Zolle überragen würde, hat in seiner anmuthig schrägen Lage die grösste Aehnlichkeit
1) Nach dem im Museum des historischen Vereins zu Wiesbaden delnduehen Gypsabgusse 4 10“ rhei-
nisch hoch. Vergl. Taf. I. 1


