30 ☛ ◻
ein kleines Kommando Mainzer kam, bildete dann die Besatzung der Stadt. Wieder wurden die Wacht- und Schilderhäuser aus- gebessert und Palissaden gehauen und gesetzt. Auch holte man zur Bewaffnung der Börger Flinten von Mainz. Dass man trotz der Postierung auf der rechten Rheinseite vor den Feinden be- sorgt war, zeigt ein Brief des Vorstehers von Katzenelnbogen, der am 8. Mai nach Braubach schrieb, es wolle verlauten, dass bereits auf Oberlahnstein, Becheln, Schweighausen und Bachheim eine Brandschatzung ausgeschrieben sei, und dass die Franzosen be- reits mit so und so viel 1000 Mann unterhalb Coblenz über den Rhein gegangen seien. Inzwischen war Prinz Eugen, ehe die Hülfskorps der Hannoveraner, Preussen und Dänen auf dem Kampfplatz erschienen, vor seinen überlegenen Gegnern bis Heil- bronn zurückgewichen. In dieser Not wurden auch die Hessen nach dem Oberrhein beordert; eine Anzahl Bürger geleitete die hiesige Kompagnie bis Bachheim. Dann rückte Eugen, in dessen Lager sich auch der König von Preussen und Kronprinz Friedrich befanden, wieder gegen den Rhein vor, grössere Erfolge errang er nicht. Kurfürsf Philipp Karl von Mainz geriet in Sorge um seine Hauptstadt, die im August wirklich bedroht wurde, bis Eugen zur Hülfe heranrückte. Doch verstand sich der Kurfürst zu einer jährlichen Kontribution an die Franzosen von 18000 Gld.; unsere Stadt erhob dazu in 2 Terminen 300 Gld. Schlimmer noch als Mainz war Trier daran, wo stets neue Summen von Belleisle ausgepresst wurden. Eine Deputation sollte in Metz zu- sammenkommen, um über die zu liefernden Summen zu beraten; der Kurfäürst konnte aber keine geeigneten Leute in Coblenz und Ehrenbreitstein finden, die als Deputierte hingingen, weil sie fürchteten, dort ins Gefängnis geworfen zu werden. Die Verhand- lungen zogen sich hin, und im Dezember drohte Belleisle mit einem Bombardement von Goblenz. Auch an unsere Stadt kam die Aufforderung zur Kontribution. Darauf wurden von der Stadt zwei Bürger als Deputierte abgefertigt, die erst nach Kastellaun gingen, wo sie wohl die Weisung erhielten, nach Met⸗z zu kommen. Darauf wurden sie von hier nach Metz geschickt. Sie kamen glücklich wieder; ihre Reisekosten sind berechnet mit 107 Gld. 20 Kreuzern. Darauf sandte man einen ausführlichen Bericht über alle Umstände und die Verhandlungen in Metz an die kurfürstliche Regierung. Das war im November. Oberlahnstein


