Aufsatz 
Lahnstein in den Kriegsereignissen des 18. Jahrhunderts. I
Entstehung
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Brücke und schlug in der Gemarke zwischen Oberlahnstein und Braubach ein Lager auf. Der Brigadier logierte in der Krone. Von der Kellerei mussten eilends 2000 Bund Stroh und auch Heu aul Wagen geladen und teils ins Lager, teils in Schiffe und nach Braubach gebracht werden. 70 Bürger und einige Jungen waren dabei tätig. Während des Vorbeimarsches wurden die Offiziere meistens in der Stadt einquartiert. Bei dem Bürgermeister war zwei Tage und 3 Nächte ein Oberstwachtmeister mit 13 Personen und 17 Pferden. Der Stallmeister des Brigadiers, der vor dem einen und andern gewarnt, erhielt als besondere Verehrung 3 Gld. und in den Suppenhof 2 Quart Wein undein Stück Essen ge- schickt. Dem abziehenden Heere halfen Bürger die Wege bei Braubach machen, andere brachen unter Aufsicht des Hauptmanns Dacheroth und des Brückenmeisters die Brücke wieder ab und brachten die Dielen an den gehõrigen Aufbewahrungsort. Am 30. Mai war Marlborough bereits bei Castell, wo er den Erbprinzen von Hessen-Kassel und General Hompesch mit ihren Truppen traf.

Der englische Durchzug war den davon betroffenen Orten teuer zu stehen gekommen, Daher erschien am 6. Juni von Mainz der Landkommandeur von Schönborn und besichtigte mit mehreren Schöffen den Schaden, den die Gemeinde in der Gemarke erlitten hatte. Das darüber angefertigte Schriftstück wurde zunächst zum Kurfürsten nach Schlangenbad und dann nach Mainz gebracht. Auch Braubach war hart mitgenommen worden. Als die Brau- bacher 1706 um Erlass einer noch schuldigen Kontributionssumme von 213 Gld. baten, wurde ihnen diesin Gnaden abgeschlagen, weil wegen des durch den Durchmarsch der englischen Völker erlittenen Feldschadens und in Ansehung des damals betroffenen Hagelschlages bereits ein erklecklicher Kontributionsnachlass er- folgt sei.

Den Führern der Verbündeten gelang es in der Tat, durch 2 Siege, am Schellenberge bei Donauwörth(2. Juli) und bei Höch- stätt(13. August), die Franzosen und Bayern aus Oberdeutschland zu vertreiben. Dann begann Marlborough die Einschliessung von Landau und ging, während diese Festung noch belagert wurde, Ende Oktober an die Mosel, um hier Platz für die Winterquar- tiere und einen sicheren Punkt für die Kämpfe des nächsten Jahres zu gewinnen. Er nahm Trier ein, das die Franzosen bei der Nachricht von seinem Anmarsche eiligst verlassen hatten.