Aufsatz 
Lahnstein im dreißigjährigen Kriege
Entstehung
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Die Zeit bis zur Einnahme Lahnſteins durch die Schweden.

Im Böhmerlande waren die Würfel gefallen. Dort hatte ein rheiniſcher Fürſt ſchnell und unerwartet eine Königskrone gewonnen und mit vielem Gepränge die Reſidenz der Luxemburger Kaiſer in Beſitz genommen. Schon ſchickten ſich ſeine Gegner an, mit gewaffneter Hand dem jungen Herrſcher den Gewinn zu entreißen; doch dachten unſere Väter nicht daran, daß jener Funke im fernen Oſten zu der Flamme werden ſollte, die in den geſegneten Fluren des Rheines wie in allen Gauen des deutſchen Vaterlandes Wohlſtand und Geſittung auf Jahre hinaus vernichtete. Da erſchien bereits im Jahre 1620 der ſpaniſche Feldherr Spinola von den Niederlanden her mit 25000 Mann bei Coblenz, überſchritt hier den Rhein und ſchlug für kurze Zeit ſein Hauptquartier in Engers auf. Von dort ging's über den Weſterwald durch die Wetterau in die Pfalz, um dieſe im Namen des Kaiſers dem Böhmenkönige zu nehmen. Unmittelbar darauf eilte auf demſelben Wege eine Kriegerſchar unter dem Prinzen Heinrich Friedrich von Oranien herbei in der Abſicht, jenes Land gegen den ſpaniſchen Angriff verteidigen zu helfen.) Zwei Jahre darauf erzählte man ſich in unſerer Gegend von dem wilden Chriſtian von Braunſchweig, der in der Wetterau und um Frankfurt ſein Weſen trieb. Streifzüge und Werbungen machten auch in den folgenden Jahren unſere nächſte Umgebung unſicher. Eine Frau, die aus Ems nach Oberlahnſtein geflüchtet war, ſtarb hier und wurde am 25. April 1623 in Rhens begraben.²) Im Jahre 1626 brandſchatzten Kaiſerliche und Spanier allerwärts in Taunus und Weſterwald;³) in demſelben Jahre ſahen unſere Väter kurkölniſche

¹) Theatrum Europaeum I, 358.

Gindely, Geſch. des 30jähr. Krieges IV, S. 108.

²) Rhenſer Kirchenbuch.

³) Schliephake⸗Menzel VI, 452. Rhenſer Kirchenbuch: Am 6. April 1626 iſt begraben worden Johannes Seyler aus Limburg und ein Soldat, welche zu Braubach durch die Soldaten erſchoſſen worden.