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III. Chronik der Schule.
Zu Ostern v. J. schieden aus dem Lehrerkollegium der wissenschaftliche Hilfslehrer Herr Schirmeister, nachdem er drei Jahre an der Anstalt mit treuem Fleisse thätig gewesen war, und die Kandidaten Leopold Krüger, Dr. Wiechmann und Martin Ube. Der letztere hatte während des Winterhalbjahrs den beurlaubten Dr. Vogelreuter, welcher sein Amt am 1. April wieder über- nahm, vertreten. An die Stelle der Ausgeschiedenen kamen der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Seiffert und als Probekandidat Herr Hönicke.
Friedrich August Seiffert, geboren 1857 zu Grünberg i. Schl. besuchte das Real- gymnasium seiner Vaterstadt, dass er Ostern 1876 mit dem Zeugnis der Reife verliess, um in Leipzig und Greifswald neuere Philologie zu studieren. Am 2. August 1882 bestand er in Greifswald das Examen rigorosum und wurde am 22. Dezember desselben Jahres auf Grund seiner Dissertation„Ein Namenbuch zu den altfranzösischen Artusepen“ und eingereichten Thesen zum Doctor phil. promoviert. Am 24. November 1883 bestand er das Examen pro facultate docendi.
Paul Heinrich Wilhelm Hönicke wurde geboren am 18. September 1861 zu Stettin, besuchte das Stadtgymnasium daselbst und erhielt Ostern 1880 das Reifezeugnis. Er studierte klassische Philologie und Deutsch auf der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und bestand im November 1885 das Examen pro facultate docendi.
Am 22. Juni unternahmen die Schüler unter Leitung der Lehrer einen grösseren Ausflug, die oberen und mittleren Klassen auf einen ganzen, die unteren Klassen und die Vorschule auf einen halben Tag.—
Den Sedantag feierten wir diesmal in der Aula mit Rede und Gesang. Die Festrede hielt Herr van Niessen.
Zu Michaelis v. J. wurde eine zweite Obertertia eingerichtet und zur Verstärkung der Lehr- kräfte Herr Gülzow als wissenschaftlicher Hilfslehrer berufen, und Herr Loth mit 10 Hilfsstunden beschäftigt. Beide waren bisher am hiesigen Friedrich-Wilhelms-Realgymnasium thätig gewesen. Als Probekandidat trat Herr Justus Baltzer ein, während Herr Friedrich Sy dow nach abgeleistetem Probejahr die Anstalt verliess.
Justus Baltzer, geboren 1863 zu Treptow a. Rega, besuchte von Ostern 1872 bis 1882 das Marienstifts-Gymnasium zu Stettin, studierte auf den Universitäten Leipzig, Berlin und Greifswald die neueren Sprachen und bestand im Juli 1886 das Examen pro facultate docendi. Zu Michaelis desselben Jahres trat er als Probekandidat am hiesigen Städtischen Realgymnasium ein.
Ein Winterfest feierten wir am Abend des 11. Februar d. J. Mit dem Deklamieren von deutschen, französischen, englischen Gedichten, wechselten Gesänge des Schülerchors; ausserdem wurden Scenen aus Schillers Braut von Messina und Demetrius aufgeführt, und ein Duo für Violine und Klavier vorgetragen.
Nachdem die Abiturienten in den Tagen vom 10.—17. Februar die schriftlichen Arbeiten geschrieben hatten, fand die mündliche Prüfung unter dem Vorsitz des Herrn Geheimen Rats Dr. Wehrmann statt.
Die Feier des 90. Geburtstages Sr. Majestaät des Kaisers und Königs begingen wir am 22. März in der festlich geschmückten Aula. Die Festrede hielt Herr Dr. Seiffert.
Der Gesundheitszustand der Lehrer war im letzten Jahre besser als in dem voraufgegangenen. Der Professor Dr. Gellenthin war behufs einer Badekur 16 Tage beurlaubt und Dr. Müller sah sich durch einen Beinbruch verhindert, während der Monate August und September seinen Unterricht zu erteilen. Ausserdem waren im ganzem länger als eine Woche aus verschiedenen Ursachen zu vertreten: Oberlehrer Dr. Böddeker 11, Dr. Kolisch 9, Dr. Vogelreuterll, Oberlehrer Dr. Winkel- mann 8 Tage.
Die Schüler der obern Klassen wurden nur in ganz vereinzelten Fällen durch längere Krankheiten am Schulbesuch gehindert, dagegen traten bei den jüngeren Schülern auch in diesem Jahr Erkrankungen an Masern und Scharlach auf.


