Aufsatz 
Studien und Kritiken zur lateinischen Syntax : 1. Teil
Entstehung
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§§ 64/65 nur im Präsens bewegt. Freilich den sicheren Beweis, dass Varro hier das temporale Gefähl der Vergangenheit nicht mehr gehabt habe, können wir nicht erbringen. Wenn aber im Deutschen der Konj. Impf. ich könnte seine ursprünglich unzweifelhaft präteritale Geltung verloren hat, wenn im Griechischen sdei, ρᷣρν etc. in die Gegenwart verschoben erscheinen(wie der Vorgang zu denken ist, darüber vgl. Brug- mann, Gr. Gr. ³˙§ 566/67), wenn endlich das lateinische Im- perfekt im französischen irrealen Bedingungssatz denselben Prozess durchgemacht hat, so müssen wir doch die zahlreichen Spuren des Gebrauchs auch im Latein anerkennen, vgl. die Beispielsammlung Tempora und Modi S. 149 ff. Ein Beispiel im Bedingungssatz liefert Varro l. I. 9,85 si esset denarii in recto casu atgue infinitam multitudinem significaret, tunc in patrico denariorum dici oportebat. Einen sehr seltsamen Fall, zu dem er keine Parallele findet, sieht W. in Varro IJ. I. 9,23 si enim usgquequague esset analogia, tum sequebatur, ut in his verbis guoque non esset, non, cum esset usquequaque, ut est, non esse in verbis. Seltsam erscheint er ihm wohl, weil die Ver- schiebung hier zum erstenmal über den Kreis der Verba des Könnens und Müssens u. àA. hinausgreift. Aber es ist doch nur die fortwirkende Analogie, welche die durch sequebatur einge- leitete notwendige Folgerung nach den Begriffen der Notwendig- keit formt.

Den Abschluss der Untersuchung bildet ein Kapitel mit der Uberschrift historical and theoretical, Historisches und Theoretisches, das mit einer kurzen Zusammenfassung endigt. Danach bildet das einfache Imperfekt der fortschreitenden Hand- lung den frühesten, wahrscheinlich ursprünglichen Gebrauch. Diesem nahe verwandt sind das Imperfekt der unmittelbaren Vergangenheit und der Schilderung, beides frühe Varianten, das letztere wahrscheinlich schon im indo-europäischen Zeitalter vorhanden. Erst später sei das Imperfekt der gewohnheits- mässigen Handlung entstanden, aber vielleicht auch noch vorliterarisch. Erst in der Periode des Altlateins habe sich der frequentative Gebrauch entwickelt, dann erst der in geringen Spuren im Altlatein auftretende Conativus.