I. Der Indikativ des Imperfekts im Altlatein.
Unter dem Titel„The imperfect indicative in early Latin“ hat kürzlich Arthur Leslie Wheeler, ein junger ameri- kanischer Gelehrter, im American Journal of Philology XXIV Nr. 2 S. 163— 191 eine sorgsame Studie veröffentlicht. Den Inhalt der Arbeit hier etwas ausführlicher wiederzugeben, als es im Rahmen einer Anzeige möglich ist, und ihre Ergebnisse zu prüfen dürfte um so dankenswerter sein, als die amerikanische Zeitschrift verhältnismässig wenigen zugänglich ist, und der Verfasser, ein Schüler des wohlbekannten Professors an der Yale-Universität E. P. Morris, die methodischen Grundsätze seines Lehrers anwendet, wie dieser sie in seinem von der Kritik allgemein anerkannten Buche„On principles and methods in Latin syntax“, New-York und London 1901, dargelegt hat.
In der Einleitung gibt er als Ziel der Untersuchung an, die verschiedenen Gebrauchsweisen des Indikativ des Imperfekts zu scheiden, womöglich ihren Ursprung zu ergründen, ihre Be- ziehungen darzustellen und so eine Geschichte dieses Tempus im Altlatein zu geben. Zum Altlatein rechnet er nicht nur alle sprachlichen Überreste bis auf Sallust, sondern auch den 1. Band des Corpus Inscriptionum und Varros Werke. Indem er seine Einteilung im allgemeinen auf die Bedeutung der Verba gründet, unterscheidet er als drei Hauptklassen 1. die Verba, die eine Handlung oder einen Zustand des Körpers bezeichnen; 2. diejenigen, die eine Handlung oder einen Zustand des Geistes bezeichnen; 3. die Hilfsverba. Die beiden ersten Klassen zer- fallen wieder in verschiedene Gruppen.
Im folgenden Abschnitt werden die Tatsachen des Gebrauchs vorgeführt. Von etwa 1400 Fällen scheidet er soviele als un- sicher aus, dass 1226 übrig bleiben, auf deren Betrachtung er


