Aufsatz 
Studien und Kritiken zur lateinischen Syntax : 2. Teil
Entstehung
Einzelbild herunterladen

36

geriem non putem dignam, quae frontem viri boni contrahat; ep. mor. 2, 3, 12 finem constitue, quem transire ne possis quidem, 81 velis; 9. 3, 17 etiamsi apad nos sint, inter subiecla nume- rentur et humilia.

Diese Ubersicht dürfte wohl die in dem Archivaufsatz S. 45 aufgestellte These, dass die potentiale Bedingungsperiode von der Form si sit-sit abgestorben ist und in dGer Umgangssprache viel- leicht schon in klassischer Zeit im Aussterben begriffen war, weiter begründet haben. Wenn nicht alles trügt, so war diese Bedingungsform seit der klassischen Zeit mehr eine litterarische Form des Ausdrucks, welche lediglich dem fortdauernden Ein- fluss namentlich der klassischen Litteratur ihre litterarische Er- haltung verdankte, während die Umgangssprache sie vermied. Es müsste sonst mehr davon in der späteren Litteratur erhalten sein. Andrerseits hat die Sprache vom silbernen Zeitalter an die Formen si sit-est und erit(und fügen wir hinzu die Formen si fuerit-est und si fuerit-erit) so sehr im Verhältnis zum alten und klassischen Latein bevorzugt, dass es nahe liegt anzunehmen, dass diese Formen des Bedingungssatzes sich in die Erbschaft geteilt haben. Wir haben also folgende Entwicklung. Im Alt- latein war der Irrealis der Gegenwart noch nicht voll ausgebildet, es teilte sich mit dem Konj. Impf. in das Gebiet der Trrealität für die Gegenwart der Konjunktiv des Präsens. Die klassische Periode schied die beiden Formen reinlich von einander. Die nachklassische Litteratur liess, der Umgangsprache folgend, den Potentialis im Nachsatze des Bedingungssatzes absterben und verwandte an seiner Stelle vornehmlich Formen mit Präsens und Futur im Nachsatze.

6.

Auchb die Formen des Bedingungssatzes, welche den Kon- junktiv des Präsens in der Protasis neben dem Indikativ des Präsens und des Futurum I der Apodosis enthalten, bedürfen noch einer eingehenden Betrachtung. Denn wenn ich auch den Vorwurf Lebretons S. 314, dass der Mangel der Gruppierung der Beispiele der Hauptfehler meines oft zitierten Archivaufsatzes sei, als für das Ergebnis des Aufsatzes unberechtigt zurück-