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Wenn Cäſar ſein Werk de B. G., wie Schneider vermuthet, 51 v. Chr., kurz vor ſeinem feindlichen Einfalle in Italien, ſchrieb und verbreitete, um die Römer mit ſeinen ruhmvollen Thaten in Gallien, die der Senat geheim gehalten hatte, bekannt zu machen und das Volk für ſich zu gewinnen, und wenn Cicero ſeine Rede gegen Piſo 55 v. Chr., alſo in demſelben Jahre, in welchem Cäſar nach Dio Caſſ.(B. 39, c. 50) den Rhein überſchritt, gehalten und geſchrieben hat, ſo folgt daraus, daß nicht Cäſar, ſondern Cicero der erſte Römer iſt, der den Rhein erwähnt.
2.(2) Cäſar läßt den Rhein auf den Alpen entſpringen, läßt ihn dann an der Gränze des römi⸗ ſchen Reichs hinſtrömen ¹) und zuletzt in den Ocean münden ²). Daraus dürfen wir wol ſchließen, daß er annahm, der Rhein habe nördliche Hauptrichtung. Dieſes beſtätigt ſich auch dadurch, daß Cäſar die Völkerſchaften, deren Wohnſitze der Rhein durchſtrömt, von der Quelle ſtromabwärts aufzählt, und dieſe Völker von S. nach N. auf einander folgen.— Was die Stromlänge anbetrifft, ſo bemerkt er nur im Allgemeinen, der Rhein habe einen langen Lauf. Cäſar bemerkt ferner, der Rhein ſei breit und tief, er fließe ſehr ſchnell, weſſhalb es ſchwierig ſei, eine Brücke darüber zu ſchlagen. Dies bezieht ſich auf den Mittellauf, da er in der Gegend von Coblenz die Brücken ſchlug.(B. G. IV, 10. Rhenus— longo spa- tio per fines Nantuatium, Helvetiorum, Sequanorum, Mediomatricorum, Tribucorum, Trevirorum cita- tus fertur. B. G. IV, 17. ltaque, etsi summa difficultas faciundi pontis proponebatur, propter lati- tudinem, rapiditatem altitudinemque fluminis ſsc. Rheni], tamen id sibi contendendum— existimabat). Daß Caſar den Rhein für ſchiffbar hielt, folgt ſchon aus ſeinen Angaben über die Größe.
Über die Stufenländer des Stromes finden ſich in dem Werke Cäſar's folgende Angaben: Der Rhein fließt anfangs auf den Alpen(B. G. IV, 10). Dann ſtrömt er am nördlichen Fuße des Jura hin(B. G. 1, 2. Undique loci natura Helvetii continentur, una ex parte(im N.) flumine Rheno, altera ex parte (im W.) monte Jura).— Am rechten Ufer, jedoch nicht dicht daran, läßt Cäſar den hercyniſchen Wald, d. h. das mit dem Schwarzwalde beginnende und nach O. ziehende Gebirge, ſich erſtrecken.(B. G. VI. 25 Oritur(se. Hereynia silva) ab Helvetiorum et Nemetum et Rauracorum finibus. Vgl. die oben an⸗ geführte Stelle IV, 10.— Nicht mit Unrecht folgert man daraus, daß Cäſar die silva Hereynia dem Jura gegenüber annahm). Wie weit er ihn nach N., ſtromabwärts am Ufer des Rheins ausgedehnt dachte, iſt nicht ſicher zu beſtimmen.— Von dem oſtniederrheiniſchen Gebirgslande finden ſich bei Cäſar keine Angaben; denn ſeine silva Bacaenis(B. G. VI, 10)— Buchonia— erſtreckte ſich wol nach ſeiner Annahme nicht bis an den Rhein. Oder wollte er vielleicht das nördlichere deutſche Gebirgsland mit dem allgemeinen Namen silva Bacaenis bezeichnen, wie er das ſüdlichere silva Hereynia nannte?— Von den weſtrheiniſchen Hochländern erwähnt er die Vogeſen und die Ardennen.— B. G. IV, 10 heißt es: Mosa profluit ex monte Vosego, qui est in finibus Lingonum. Ferner VI, 44: legiones ad fines Treviro- rum, in Lingonibus— in hibernis collocavit; und I, 40: Haec sibi(sc. Caesari) esse curae, frumen- tum Sequanos, Leucos, Lingonas subministrare.— Die Lingonen wohnen alſo an den Vogeſen. Sie ſind die Nachbarn der am Rhein wohnenden(IV, 10) Trevirer und Sequaner. Daraus muſſen wir ſchlie⸗ ßen, daß Cäſar annahm, die Vogeſen erſtreckten ſich, jedoch nicht dicht, am linken Rheinufer hin*). War Cäſar nicht ſelbſt in der Gegend zwiſchen Baſel u. Mainz, ſo mußte er ſehr genaue Erkundigungen einge⸗ zogen haben, da er genau weiß, daß das oberrheiniſche Bergland von beiden Ufern des Fluſſes etwas
1) Die uUſipeter und Tencterer antworten den Geſandten Cäſar's IV, 16: populi Romani imperium Rhenum finire. cf. I, f. — 2) Siehe ſpäter§. 4 Rheinmündung. 1. Cäſar.— 3) Die Sequaner wohnen zwiſchen dem Gebirge und dem Fluſſe. 2


