Aufsatz 
Der Rheinstrom : eine geographisch-historische Abhandlung / vom ... Dommerich
Entstehung
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7 §. 3.

Der Lauf des Rheines von der Quelle bis zur Mündung

1. Richtung des Laufes. Der Rhein fließt bis Chur in Graubündten nordöſtlich, von da bis zum Bodenſee nördlich, darauf bis Baſel weſtlich, dann bis Mainz nordnordöſtlich, von da bis Bingen weſt⸗ lich, dann bis zur holländiſchen Gränze zwiſchen Emmerich und Nimwegen nordweſtlich, und zuletzt in ſeinen beiden ſüdlichen Armen weſſtlich.

2. Stromlänge. Der directe Abſtand der Quelle von der Mündung beträgt nach Berghaus(Elem. d. Erdb. Berl. 1830. S. 236) 90 M. und die Größe der Stromentwicklung nach Berghaus 150, nach Schnabel(Europa um d. J. 1840) 182, nach C. Fr. V. Hoffmann(d. Erde u. ihre Bew. ¹)) 190 M., u. nach v. Hoff(Teutſchl. S. 147) nach ungefährem Ueberſchlag 190 200 Meilen.

3. Tiefe des Fluſſes. Nach Hoffmann und v. Hoff iſt die Tiefe zwiſchen Baſel und Breiſach 3 10 F., zwiſchen Breiſach und Straßburg 3 ½ 12, zwiſchen Straßburg u. Mainz 5 24, zwiſchen Mainz und Bonn 6 29 ½(nach v. Hoff 6 21), bei Bonn 10 ½ 15, zwiſchen Bonn u. Cöln 6 21 ¼, bei Cöln 9 ½ 13 ¾, zwiſchen Cöln u. Mühlheim 6 ½ 13, bei Muͤhlheim 7 22 ½, zwiſchen Mühlheim u. Düſſeldorf 5 ½ 26 ½, oberhalb Duͤſſeldorf 51, unterhalb 15 ½, von Duͤſſeldorf bis Kaiſerswerth 6 18, bei der Theilung iſt die ſeichteſte Stelle 5, die tiefſte 36 Fuß. Fruͤher indeß war der Rhein wie alle Flüſſe ohne Zweifel waſſerreicher.

4. Schiffbarkeit. Von Chur an iſt der Rhein fuͤr kleine Kähne ſchiffbar, von Baſel an befahren ihn größere. Die Kähne laden von Baſel bis Straßburg 500 600 Centner, von Straßburg bis Mainz 2000 2500, von Mainz bis Cöln 2500 3500 C., von Cöln abwärts wird er von Seeſchiffen befahren.

5. Fall und Geſchwindigkeit. Von der Quelle bis zum Bodenſee beträgt der Fall etwa 6000 F., von der Quelle bis Baſel, 55 ½ M. weit, 6588 F., von Baſel bis Mainz etwa 500 F., von Mainz bis zur Mündung etwa 200 F. Daraus folgt, daß die Geſchwindigkeit bis zum Bodenſee ſehr beträcht⸗ lich ſei. Sie nimmt zwar nach der Mündung hin allmählich ab, bleibt aber noch immer bedeutend. Doch zeichnet ſich der Rhein durch ſeine Geſchwindigkeit vor andern Flüſſen nicht beſonders aus. Bei hohem Waſſerſtande iſt ſie größer, als bei niedrigem. Die mittlere Geſchwindigkeit iſt etwa 4 F. in 1 Secunde, doch ſteigt ſie bei Bingen bis auf 11 F.

6. Die Stufenländer. a) Oberes Stufenland. Die Quellflüſſe des Rheines treten aus wilden, engen, ſteilen Felsthälern in das obere Rheinthal, welches in der Verlängerung des obern Wallis ſtreicht, etwa ebenſo tief, aber nicht ſo breit und ſanft eingeſchnitten, als dieſes. Bei Chur tritt der Fluß aus dieſem Längenthale der Alpen in ein Querthal, tiefer, einige Stellen ausgenommen auch breiter und ſanf⸗ ter als jenes, das Hauptthal des Syſtems, im N. durch den Bodenſee geſchloſſen(v. Roon). Der Bo⸗ denſee, in den der Rhein unterhalb Rheineck mündet, oder den er bildet, den er aber nicht durchfließt, hat im N. W. einen ſchmalen Buſen, den Überlinger See mit der kleinen Inſel Meinan. Zwiſchen Conſtanz und Petershauſen hängt der Bodenſee durch einen ſchmalen, etwa ¼ Meile langen Arm mit dem Unter⸗

1) Hoffmann behauptet, die Länge des Rheins nach Karten in ſehr großem Maßſtabe mit der größten Sorgfalt berechnet zu haben, und bemerkt, daß er die früheren, vom preuß. Major Müller herrührenden(von Berghaus aufgenommenen) Angaben über Flußlängen ſtets zu kurz und häufig ſogar ſehr viel zu kurz gefunden habe. Müllers(Berghaus) An⸗ gabe ſcheint ſchon deſſhalb unrichtig zu ſein, weil nach ſeiner Behauptung die Elbe um 5 M. länger wäre, als der Rhein.