4 §. 1.
Der Name des Stromes.
Die vielen römiſchen Schriftſteller, die in ihren auf uns gekommenen Werken des Fluſſes gedenken, nennen denſelben Rhenus, theils mit Hinznfügung von flumen oder amnis, theils ohne dieſelbe. Nur Horaz ¹) ſchreibt flumen Rhenum.— In allen noch vorhandenen griechiſch geſchriebenen Werken, die ihn erwähnen, heißt er Pi„os oder G i 0s 101⁴ν66 6. Bei Cl. Ptolemäus kommt G 02 1101G und bei Markianos 6 A,01½α τιιω0B6⁶ς vor, was wahrſcheinlich der Oberrhein iſt 2).— Das Nibelungen⸗ Lied nennt ihn„Rin.“— Früher ſchrieb man auch„Ryn.“ In der jetzigen Schriftſprache heißt er Rhein.
Einige leiten den Namen vom Griechiſchen deiy= rinnen, fließen ab und behaupten, der Fluß ſei ſeines ſchnellen Laufes wegen alſo genannt. Doch iſt das Wort offenbar deutſchen Urſprungs und deſſhalb die Ableitung von einem Worte einer fremden Sprache verwerflich, wenn auch beide Sprachen— die grie⸗ chiſche und die deutſche— im Stamme verwandt ſind.— Andere leiten und zwar mit größerem Rechte das Wort vom Altdeutſchen rinnan, dem Jetzigen rinnen ab. Grimm ³) ſagt: dem Rhenus, Pyvos ſteht die altdeutſche Form rin(hrin?) ausgemacht zur Seite, folglich kein ran; aber ein gothiſches reins(hreins) ließe ſich füglich mit réns(bréns) vereinbaren. Jedenfalls muß man die Ableitung von rinnan, rinnen, aufgeben. Nähere Anſprüche hat hrinan, tangere, aber auch mugire.— Da in der Schweiz nur dieje⸗ nigen Bäche*), welche klares, kryſtallhelles Waſſer führen, den Namen„Rein“ tragen, z. B. Rein(Rhein) de Toma, Rein de Tſchamott, Rein Tujetſch u. a., während diejenigen mit trübem, grünlichem Waſſer anders heißen: ſo läßt ſich daraus ein Schluß auf die Ableitung, auf die Entſtehung des Namens machen. Die Schweizer nennen den Strom alſo den Reinen, wie die Spanier einen Fluß im S. W. ihres Landes „Tinto,“ d. h. den Gefärbten, oder die Chineſen den einen der beiden größten Flüſſe ihrer Heimath den Gelben, den andern den Blauen nennen.
Da nun auch früher weder im Gothiſchen, noch im Alt⸗ oder Mittelhochdeutſchen irgend ein deutſches Wort mit„Rh“ geſchrieben wurde, ſo folgt daraus hinſichtlich der Rechtſchreibung, daß die jetzige Schreib⸗ weiſe falſch iſt. Sie iſt offenbar durch eine gewiß nicht zu billigende Nachahmung der griechiſchen und lateiniſchen Orthographie entſtanden. Man ſollte daher auch Rein und nicht Rhein ſchreiben, wie C. Fr. V. Hoffmann that.
§. 2. Die Quelle des Rheines.
Der Hauptquellfluß des Rheines, der ſogenannte Vorderrhein, entſpringt unter 26° 200 O. L. v. F. und 46° 38 N. Br. auf der Oſtſeite des S. Gotthard in den lepontiſchen oder Adular⸗Alpen aus dem Toma⸗See zwiſchen den Bergen Cornera, Baduz und Crispalt im Schweizer⸗Freiſtaate Graubündten und rauſcht als überaus klares Bächlein ſchäumend über die Halden des Sirmadun in felſigem Bette unter
1) ars poët. V. 18. Aut flumen Rhenum aut pluvius describitur arcus.— Horaz ſchreibt auch od. IV, 4, V. 58: Metaurum flumen, u. Salluſt flumen Danubium.
2) Siehe weiter unten§. 5. Lauf des Rheines. Ptol.
5) Deutſche Gramm. 2. Aufl. Th. 1. S. 87.
4) C. Fr. V. Hoffmann die Erde und ihre Bewohner, bei der Beſchreib. des Rheins. Büſching neue Erdb. Th. 4. S. 228.


