Aufsatz 
Aus großer, ernster Zeit. Ansprachen
Entstehung
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Wer viel beſitzt, iſt nicht der Glückliche. Dem Schande ſchlimmer dünkt als Sterben, Der iſt es mehr, der weiſe Der für die Freunde, für das Vaterland Des Himmels Gaben braucht Den Tod nicht fürchtet!

Und auch den harten Mangel tragen mag,

Das ſind doch wohl Worte, die gerade jetzt, in unſerer furchtbar großen und furchtbar ernſten Zeit einen tiefen, bedeutungsſchweren Klang haben. Sie, meine lieben Schüler, treten ins Leben hinaus, wo die Welt ein ſo ganz anderes Geſicht trägt als ſonſt je zuvor. Somit warten Ihrer auch ganz beſondere Pflichten und Aufgaben. Sie haben ſich nicht nur nach den Verhältniſſen im Eltern⸗ hauſe zu richten, die ſo oder ſo durch den Krieg beeinflußt wurden, ſondern Sie haben über all Ihr Tun und Treiben, Ihr Streben und Arbeiten noch ernſter, noch gewiſſenhafter als alle, die früher von hier entlaſſen wurden, das Wort zu ſchreiben, das wir als die Summe der eben verleſenen Horazworte bezeichnen können: Furchtlos und treu! Das leuchtet unſeren Feldgrauen voran und macht ſie unüberwindlich, das läßt Hindenburg ſeine Siege erfechten! Ja, es war, als ob unſer Kaiſer ſchon Ende Juni das kommende ſchwere Gewitter vorausahnte, wenn er wenige Tage nach dem Stapellauf des RieſendampfersBismarck ſagte:In jener Stunde ſchlugen alle Herzen höher und dachten der großen Zeit und der großen Männer, die in ihr wirkten, des großen Kaiſers und ſeines eiſernen Ratgebers. An uns iſt es, dafür zu ſorgen, daß das, was uns überkommen iſt, von uns weiter verwaltet werde. Wir müſſen in der Lage ſein, eins der beſten Worte, die der eiſerne Kanzler je geprägt hat, tatſächlich auf uns zu übertragen und auszuführen, d. h. wir müſſen ſo leben und handeln, daß wir allezeit mit ihm ſagen können:Wir Deutſche fürchten Gott und ſonſt abſolut nichts und niemand in der Welt. Ja ich glaube, wenn unſere Krieger im Felde ‚Deutſchland, Deutſchland über alles' anſtimmen und mit dieſem Liede ſelbſt in den ſicheren Tod hineingehen, dies tapfere Bismarckwort iſt in ihren Herzen lebendig.

Seien auch Sie furchtlos und treu im Lebenskampfe. Treu allen den Idealen, die Elternhaus, Schule und Kirche in Ihre Herzen gepflanzt hat, treu der deutſchen Art, die jetzt ſo furchtbar von unſeren Todfeinden verläſtert wird, treu dem Gotte, der uns Helden wie Bismarck, wie Hindenburg gegeben hat und unſer Vaterland noch auf ſtolze Bahnen ſchwerer, aber deſto ruhmreicherer Aufgaben führen wird. Da gilt es für jeden Deutſchen, zumal für die Jungen und Starken möchte ich Sie alle darunter zählen dürfen! auf dem Platze zu ſein, ſeinen Mann zu ſtehen in Pflichttreue und Gottesſurcht. Seien Sie hart gegen ſich ſelbſt! Stählen Sie Ihren Willen an dem Beiſpiele unſerer großen Männer! Laſſen Sie deren Bild Ihnen voranleuchten! Wo die Feinde ringsum Lug und Trug ſäen, müſſen wir uns aufrichten an deutſcher Ehrlichkeit und Wahrhaftigkeit, wo jene im Gefühl eigener Ohnmacht zu den ſchnödeſten und verwerflichſten Mitteln greifen, können wir ſtolz ſein auf die mannhaft ernſte und aufrechte und aufrichtige Art unſerer Kriegsführung und Staats⸗ leitung. Das große Erbe Bismarcks, deſſen 100. Geburtstag demnächſt wir feiern werden, gilt es zu erhalten. Dazu iſt ſein kernig deutſcher, kraftvoller Geiſt auch für die Zukunſt nötig, d. h. alſo, er muß in unſerem Volke lebendig bleiben. Dazu muß jeder mitwirken, der irgendwie dafür berufen iſt. Welchen Beruf auch Sie, meine jungen Freunde, wählen, wie immer Sie ſich auch im Leben betätigen wollen, Sie können es nicht beſſer tun als in dem Geiſte, der in unſerm Vaterlande bisher beſtimmend war und alles Große gezeitigt hat, in dem Geiſte furchtloſer Treue. Furchtlos und treu! Das ſei Ihr Wahlſpruch, den Sie von der Schule mitnehmen mögen, die Sie heute mit den beſten

Wünſchen entläßt. Gott ſei mit Ihnen auf allen Ihren Wegen!