Aufsatz 
Aus großer, ernster Zeit. Ansprachen
Entstehung
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u. Aus großer, ernſter Zeit./ 4

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4. Auguſt 1914.

Anſprachen des Direktors.

Meine lieben Schüler!

Unſere Herzen beben unter dem Eindrucke der Ereigniſſe, die ſich in den letzten Tagen vollzogen haben.

Vor vier Wochen gingen wir wohlgemut in die Ferien die einen in den Wald und ins Gebirge, die anderen ans Meer und wir alle wohl haben uns an der Erhabenheit und an der Schönheit der Natur, an den Herrlichkeiten unſerer Heimat erfreut und geſtählt. Und heute!?

Der feierliche Ernſt und die unvergleichliche Schwere der Schickſalsſtunden, die über unſer Baterland hereingebrochen ſind, muß auch Euch alle, ob klein, ob groß, aufs tiefſte berühren, ja, ich denke, wie ein Pulsſchlag durch Euer ganzes Leben gehen.

Ich brauche Euch nicht zu erzählen, wie alles gekommen iſt. Die Frevler ſitzen an der Newa und an der Seine, ja ihre Schandtaten und Schurkereien ſchreien zum Himmel, denn ſie entfachen einen Weltenbrand. Unſer herrlicher Kaiſer, zu dem wir alle gerade in dieſen Tagen mit Ehrfurcht und Stolz und mit felſenfeſtem Vertrauen aufblicken, hatte in ſeiner Friedensliebe das Möglichſte ge⸗ tan, durchdrungen von dem tiefen Verantwortlichkeitsgefühl, das ein Herrſcher eines in der Kultur hochſtehenden Volkes haben muß, das aber den verbrecheriſchen Slawen und den hinterliſtigen Galliern mangelt.

In einen gerechten, einen heiligen Krieg um die Ehre, ja um die Exiſtenz des Reiches ziehen unſere Heere. Es wird auch unter Euch kaum einer ſein, der nicht von Vater oder Bruder oder Berwandten Abſchied nehmen mußte, wie wir Alteren von unſeren Söhnen, wie wir Lehrer von lieben Kollegen und Freunden. Das Herz mag bluten bei dem Gedanken an die Schreckniſſe, die ein heutiger Krieg mit all den neuen Mitteln moderner Erfindung für den Kampf auf dem Lande, auf der See, in der Luft darbietet, wir müſſen aber auch wieder ſtolz ſein, jeder einzelne von uns, wenn von den Unſrigen welche berufen ſind, des Vaterlandes heiligſte Güter zu verteidigen.

Auch der Krieg hat eine reinigende Kraft. Da löſchen alle die kleinen und großen Gegenſätze, die ſonſt die Menſchen im einzelnen und in Ständen trennen, aus; Zwiſtigkeiten der Konfeſſionen, der politiſchen Parteien gehen unter in dem einen großen Gedanken: Das Vaterland iſt in Gefahr, ja in der allergrößten, die es je erlebte. Wir waren ſchon lange die beſtgehaßte, die meiſtbeneidete Nation, denn wir haben uns zu ſeltener Größe, zu Macht und Reichtum in den langen Friedens⸗ jahren emporgearbeitet.

Alles das ſteht auf dem Spiel. Unſere Gegner wollen Deutſchland zermalmen!

Doch das darf bei uns keinen Kleinmut aufkommen laſſen. Wer jung und kräftig iſt, eilt begeiſtert zu den Fahnen, und wir, die wir zurückbleiben, dürfen die Hände nicht in den Schoß legen im mut- und tatloſen Grübeln über das, was kommen mag, ſondern wir müſſen, ein jeder in ſeinem Teile, unſere Pflicht tun, arbeiten und nicht verzweifeln. Ihr Jünglinge und Knaben, die Ihr nicht mitziehen könnt ins Feld, macht Euch nützlich daheim in den Freiſtunden, erleichtert und erheitert das ſchwere, ernſte Leben Euren Angehörigen, bleibt von der Straße fort, gebt Euch ernſten Be⸗ ſchäftigungen hin! Wohl ſollt auch Ihr mit Spannung den großen Ereigniſſen folgen, die ſich an⸗