ob er ſich mehr um Plautus oder die alten Inſchriften verdient gemacht habe. Doch ſoviel ſteht feſt, daß in beiden Beziehungen keiner gefunden werden kann, von dem er übertroffen würde.
Dieſe Weiſe der Sprachforſchung nennen wir die hiſtoriſche; doch muß noch, um mit Cicero zu reden, eine andere hinzutreten, nämlich die vergleichende Grammatik. Denn die lateiniſche Sprache hat dieſelbe Abſtammung mit mehrern andern Sprachen gemeinſam, mit denen ſie eben in vielen Wurzeln, Wörtern, Endungen verwandt iſt, doch iſt ſie mit keiner verwandter als mit der griechiſchen. Das war ſchon den alten Römern bekannt, welche häufig die alte Latinität und Grä⸗ cität mit einander verglichen haben, doch in den Tag hinein und ohne beſtimmte Methode. Erſt die gelehrten Grammatiker unſerer Zeit haben beſtimmte Geſetze aufgeſtellt, nach denen man vergleichen muß, vor allen Fr. Bopp, welcher gezeigt hat, daß die lateiniſche Sprache nicht blos mit der griechiſchen, ſondern auch mit der deutſchen denſelben Urſprung hat, ja daß ſelbſt im fernen Aſien die entlegenen Indier eine mit der griechiſchen, lateiniſchen und deutſchen Sprache verwandte Spra⸗ che geſprochen haben, welche ſie ſelber Sanscritſprache nennen.
Da aber das Meiſte, was jene gelehrten Grammatiker Neues geſagt haben, entweder in großen Büchern verborgen iſt, welche ſchon durch ihren bloßen Anblick die meiſten Leſer vermöge der coloſſalen Gelehrſamkeit in Schrecken ſetzen, oder in zahlreiche kleinere Abhandlungen zer— ſtreut iſt, ſo wird es nicht unangemeſſen erſcheinen, wenn ich einen wichtigen Theil der lat. Gram⸗ matik, nämlich die lat. Conjugation herausnehme und in der Weiſe, wie es bei jenen Männern geſchehen iſt, beleuchte. Ich werde beginnen mit den alten Formen der Latinität, welche ſich auf den alten Inſchriften, bei Plautus und den alten Grammatikern erwähnt finden, von den verwandten Sprachen jedoch werde ich nur die griech. heranziehen; denn wer, wie ich es thue, die meiſte Zeit des Tages auf die Unterweiſung von Schülern zu verwenden hat, kann ſich ſchwerlich die ältern Dialecte unſerer germaniſchen Sprache oder wol gar das Sanscrit der Indier aneignen. Was ich hiervon für die lat. Conjugation herbeizuziehen genöthigt bin, das habe ich aus dem Buche von Curtius über die Tempora und Modi des Griechiſchen und Lateiniſchen hergenommen.
Wenn ich hier und da Einiges geſagt habe, was den Anſichten der größten Grammatiker widerſpricht, ſo iſt dies nicht geſchehen aus der Sucht, Neues zu ſagen, und ich werde gern, falls ich eines Beſſern belehrt ſein werde, meine Anſichten zurücknehmen.


