Aufsatz 
Über die lateinische Conjugation in Vergleichung mit der Griechischen / von Daniel Birkenstamm
Entstehung
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Ueber die lateiniſche Conjugation in Vergleichung mit der griechiſchen.

Einleitung.

Uluuer den philologiſchen Disciplinen, welche in unſern Tagen mit ganz beſonderer Sorgfalt bearbeitet worden ſind und auch viele neue Reſultate ergeben haben, ſteht, wie Jedermann zugeben wird, die vergleichende Grammatik oben an. Man hat erkannt, daß die Sprache von den Philolo gen nicht blos deshalb erlernt werden ſoll, daß ſie die alten Dichter und Schriftſteller richtig verſtehen und lateiniſch und griechiſch ſprechen und ſchreiben lernen, ſondern daß auch die Sprachen um ihrer ſelbſt willen werth ſind, ſtudirt und erkannt zu werden. Wir ſollen, ſoweit dies überhaupt angeht, erkennen, inwiefern es möglich ſei, daß irgend eine Sprachform den Begriff, den ſie bezeich⸗ net, ausdrücken könne, wie es komme, daß die Buchſtaben, Silben und Wörter das, was wir denken, wiedergeben können. Dieſe Aufgabe kann jedoch nicht ſo gelöſt werden, daß wir im Allgemeinen über dieſen Gegenſtand handeln, wie es Plato im Cratylos und die gelehrten Männer des vorigen Jahrhunderts, unter denen vor Allem Herder zu nennen iſt, gethan haben, ſondern daß wir auf die einzelnen Wörter, auf die Wurzeln, aus denen ſie hervorgehen und insbeſondere auf die Endungen, welche zu den Wurzeln hinzutreten, gründlich und im Einzelnen eingehen. Dies iſt aber nur dann möglich, wenn wir nicht blos die Formen der gewöhnlichen Sprache herbeiziehen, in welcher die Dichter und Schriftſteller der Auguſteiſchen Epoche geſchrieben haben, ſondern auch die ſpäter veralteten und aus dem Leben verſchwundenen Formen, deren ſich die frühern bedienten, ich meine den Plautus, Terenz, Cato ec. und die, welche auf den ältern Inſchriften enthalten ſind oder uns von den Grammatikern Feſtus und Varro ſind überliefert worden. Dieſe frühere Zei

der Latinität hat in unſern Tagen Fr. Ritſchl aufs Genaueſte behandelt, und es iſt ſchwer zu ſagen,