Aufsatz 
Naturwissenschaft, Glaube, Schule / von J. Berger
Entstehung
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man eifrig bemüht, alles Brauchbare herbei zu ziehen. Die Maſſe der Unterrichtsgegenſtände, die dem Zögling von Morgens früh bis ſpät in die Nacht hinein auf Koſten ſeiner naturgemäßen geiſtigen und körperlichen Entwicklung eingepfropft werden, droht ihn zu erdrücken. Von allem ſoll er etwas wiſſen; keines lernt er recht. So oft iſt ſchon darauf aufmerkſam gemacht worden; trotzdem iſt man weit entfernt, zu beſchränken; im Gegentheil, man iſt unbarmherzig genug, bald hier', bald dort Vorſchläge zur Einführung von neuen Unterrichtsgegenſtänden zu bringen, die jugendliche Kraft immer mehr zu zerſplittern. Auf engem Raume wird ein Sameukorn dicht neben das andere geſetzt, der kräftige Stamm, der ſich entwickeln ſollte, um mit ſeinen Wipfeln die weite Runde zu überragen, und an den ſich das ſpäter anzu⸗ pflanzende Geſtrüppe mit Sicherheit anlehnen ſollte, wird im Keime erſtickt; es entwickelt ſich ein undurchſichtiger Wirrwar von ſchwachen Gerten, die vom Winde hin⸗ und hergetrieben werden und einander ſelbſt erſticken. Allerdings gewährt jeder Unterrichts gegenſtand, gründlich betrieben, ſeine beſondern Vortheile; aber die gründliche, vollſtändige Bearbeitung iſt auf dieſe Weiſe ge⸗ radezu unmöglich. Zerfahrenheit und Halbbildung iſt die Folge, und Halbbildung iſt die gefährlichſte Sache im Lande.

Es iſt nicht zu läugnen, daß die Gymnaſien einen großen Vorzug gegen die übrigen Schuleu haben, eben den der Con⸗ centration in den alten Sprachen. Dieſe bilden den Schwerpunkt des ganzen Strebens. Den Realſchulen fehlt ein ſolcher. Ob ſie ihn ſpäter vielleicht gerade in den Naturwiſſen⸗ ſchaften oder in einem anderen Fache finden werden, bleibt eine offne Frage.

Wirkt nun die theilweiſe durch die Verhältniſſe gebotene Zer⸗ ſplitterung der jugendlichen Kraft in einer Maſſe von Unter⸗ richtsgegenſtänden nachtheilig auf ihre einheitliche Entwicklung zur Selbſtändigkeit, ſo muß umſomehr in den einzelnen Fächern darauf gedacht werden, dieſem Nachtheile entgegenzuarbeiten, und kann das non multa, sed multum nicht genug, beherzigt werden.