Aufsatz 
Naturwissenschaft, Glaube, Schule / von J. Berger
Entstehung
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aber ein Wunder, daß ſie als Erbfeinde einander gegenüberſtehend betrachtet werden. Als ob die Natur von jenem durchweg giltigen Geſetze der Vereinigung der Gegenſätze des Gleichartigen zu einem Ganzen hier eine einzige Ausnahme machte, ſcheint man es als eine Unmöglichkeit zu betrachten, daß in einem und demſelben Menſchen Naturwiſſenſchaft und Glaube zugleich zu finden ſeien. Gar nicht ſelten begegnet es dem der Naturwiſſenſchaft Befliſſenen, daß er ſich bloß als ſolchen zu bezeichnen braucht, um bei Ungläu⸗ bigen als Geſinnungsgenoſſe, bei Gläubigen als Materialiſt das Wort in beiderlei, theoretiſcher und praktiſcher, Bedeutung ge⸗ nommen oder als ein Weſen zu gelten, das überhaupt eines edle⸗ ren, höheren Aufſchwunges unfähig iſt und nur die allerroheſte Proſa des Daſeins kennt. In komiſch ⸗klingender Weiſe wird dieſer Identificierung oft Ausdruck gegeben:Sie ſind auch ein Naturforſcher, heißt es,ich huldige dieſer materialiſtiſchen Richtung nicht!Ich auch nicht.Sie find aber doch Natur⸗ forſcher! Er iſt Naturforſcher, alſo Materialiſt. Ein anderer zeigt einen feſten Glauben an irgend ein Dogma irgend einer Religion, an einen Gott, an ein Fortbeſtehen undhat dem⸗ gemäß unſtreitig die Segnungen der Naturwiſſenſchaft nicht genoſſen oderiſt vor ihrem Gifthauch glücklich bewahrt worden.

Es kann ſich nicht fehlen, daß eine ſolche Anſchauungsweiſe der Schuljugend ſchon zum Bewußtſein kommt und auf ſie ihren nachtheiligen Einfluß äußert; und es iſt ferner leicht erklärlich, warum die Urtheile über die Naturwiſſenſchaften als Bildungsmittel ſo weit auseinandergehen. Während einzelne glücklicher Weiſe ſehr wenige Schulmänner ſie als bedeutungslos nebenhergehen laſſen, weil's nun einmal Mode iſt; ſieht man hier in ihnen die einzige Quelle des Heils und möchte ſie an die Stelle der Reli gionslehre geſetzt, möchte man ſie anderswo verbannt ſehen weil ſie zum Unglauben führen und das Gemüth ſeines einzigen Troſtes berauben.

Wie leicht zu begreifen, kann meine Abſicht nicht ſein, zu unterſuchen, mit welchem Rechte Materialiſten behaupten, daß ihre