Naturwiſſenſchaft, Glaube, Fchule.
Jeder Katechismus der Religionslehre enthält auf die Frage:„Wie lernen wir Gott erkennen?“ eine Antwort folgen— den Hauptinhalts:
1) durch die Offenbarung—(Sache des Glaubens);
2) durch ſeine Werke.
Je vollkommener hiernach beide Erkenntnißquellen in und von dem Individuum gepflegt worden ſind, deſto vollkommener iſt natürlich die Erkenntniß Gottes in ihm. Je vollkommener wir alſo ſeine Werke kennen, deſto vollkommener erkennen wir ihn. Seine Werke, die ganze Natur— Himmel und Erde, die Ge⸗ ſetze ihres Beſtehens, auch uns ſelbſt— näher kennen zu lernen, iſt Aufgabe der Naturyiſſenſchaften. Die Naturwiſſenſchaften ſind ihrem Inhalte nach ein Theil der religiöſen Erkenntniß.
Dieſer Zuſammengehörigkeit entſprechend haben beide, Glaube und Naturwiſſenſchaft, denſelben Ausgangs⸗ und denſelben Zielpunkt: das Unbegreifliche. Unbegreiflich iſt's dem Theologen und dem Naturforſcher, wie die Welt zum Daſein gelangte. Der Theologe ſucht vergebens den Urheber von Kraft und Stoff zu erforſchen, der Naturforſcher hat die Hoffnung auf deren Erkenntniß bis jetzt nicht erfüllen können. Es hat Philoſophen gegeben, welche das Daſein der Materie geläugnet haben. Der Naturforſcher glaubt daran, und auf dieſen Glauben hat er ſein Lehrgebäude geſtützt. Aus jenen unendlich kleinen Grundſtoffen, von denen er keine klare Vorſtellung hat und die er Atome nennt, ſieht er in der Chemie die ganze Welt gleichſam von neuem entſtehen. Die
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